Erich Fried – Dich (oder weil ich dich liebe, so wie du bist)

ERICH FRIED – DICH

Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
daß du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt mir nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem –
nach allem
Was du ist

Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen
und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit

Dann
ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer

(Quelle: Fried, E., 1983. Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte. Zorngedichte. Berlin: Wagenbach Verlag.)

~

…die großartigsten Menschen sind oft jene, die es am wenigsten glauben oder begreifen können und dennoch das Meiste bewirken, indem sie rein in ihrem Dasein unser Leben verzaubern und bereichern. 🙂

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endlich Frühling!

Frühling. Wenn an den ersten, richtig warmen Tagen langsam die Lebensgeister erwachen. Die ersten Blumen zaghaft aus dem Boden sprießen und ihre Knospen öffnen. Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse für bunte Flecken auf den Wiesen sorgen. Die Natur mit jedem Tag mehr zum Leben erwacht.

Wenn der Saft in den Bäumen zurückkehrt und man langsam die ersten Anzeichen der Blätter auf den Bäumen erkennen kann. Die ersten Knospen am Kirschbaum, die nur noch darauf warten sich zu öffnen. Als würden auch sie in den Startlöchern stehen. Bereit sein, für dieses neue Jahr.

Wenn in der Morgendämmerung die ersten Vögel zwitschern und du mit der Sonne aufstehst. Der blaue Himmel anfangs noch von Dunst verdeckt ist. Du aber spürst, er wird langsam der Sonne weichen. Ihr Platz machen, damit sie uns die Winterflausen austreibt und uns neue Energie einhaucht. Uns wärmt bis wir wieder lächeln. 🙂

Oh wie ich diese Jahreszeit liiiiebe! Trotz fieser Baum- und Gräserpollen, die mir zwischen April und Juni das Leben erschweren. Vor allem beim Sport. Da ist Laufen und Mountainbiken gleich doppelt so anstrengend. Praktisch für den Trainingseffekt, fürchterlich nervig für mich. Und doch kann ich nicht anders. Muss hinaus. Brauch Bewegung. Frische Luft und Sonne. Mit mindestens 2 Packerl Taschentücher im Gepäck. Obwohl ich auch im Winter halbwegs regelmäßig Laufen gehe – im Frühling ists einfach noch schöner! Und von herumfliegenden Baum- und Gräserpollen lass ich mich doch nicht vom Sport abhalten! Hat beim Wildsau Dirt Run der Gatsch ja auch nicht geschafft. 😀

Umso ironischer, dass ausgerechnet ich, trotz ausgeprägter Pollenallergie so ein Naturfreak bin. Nicht ohne sie sein kann. Sie brauche wie die Luft zum Atmen. Hassliebe? Eher nicht. Eher Kämpfernatur 😉

Auch wenn die Wetterfrösche nur noch zwei Tage Sonnenschein, Wärme und wolkenlosen Himmel vorhersagen. Sich uneinig sind, wie es mit dem Wetter danach weiter geht. Der Frühling ist endlich da. Und er wird vermutlich auch heuer mit mir streiten. Bis er in ein paar Monaten dem Sommer Platz macht und wir uns wie jedes Jahr wieder versöhnen. 🙂

Frühlingsboten