Doppelte Sehnsucht

Jedes Mal wenn ich in deine Augen sehe
Sie zu ergründen versuche
Und mich sofort wieder innerlich verfluche

Wenn ich auf deine Lippen blicke
Ganz still deinen Worten lausche
Und mir gedanklich schon wieder die Haare raufe

Wenn ich davon träume,
dass du mein Gesicht in deine Hände nimmst
Und deine Lippen sanft auf meine bringst

Wenn ich mir ausmale
Wie du mich berührst
Und mich damit hoffnungslos verführst

Wenn ich dich anschmachte
Du mich neckst und mit mir spielst
Und du mich genauso willst

Wenn ich mir vorstelle
Wie du cool und männlich vor mir stehst
Und ich mir heimlich wünsch‘, dass du mit mir schläfst

Wenn ich nur daran denke
Wie du neben mir liegst
Und deinen Kopf sanft an meinen Nacken schmiegst

Dann dreh ich halb durch
Hier allein, so ganz ohne dich
Darum bitte Zeit, vergeh und rette mich!

© Eleni Anthea, Wien, August & September 2015

Ein Jahr oder was es für mich bedeutet, Glück zu haben

Ein Jahr. Gestern vor einem Jahr habe ich die erste Nacht hier verbracht. Ich kanns immer noch nicht glauben. Fühlt es sich doch an, als wäre der Umzug erst vor ein paar Monaten gewesen.

Ich weiß noch wie G. vor zwei Jahren zu mir meinte: „es wäre gut wenn du mal ein Jahr alleine lebst. Deine eigenen vier Wände hast. Damit du weißt wie es sich anfühlt, wenn du heimkommst, die Türe hinter dir zumachst und dir denkst „Welt du kannst mich mal.“ Ich glaube das würde dir gut tun.“

Ein Jahr. Ein Jahr mein eigenes Reich. Ein Jahr alleine leben. Ein Jahr, in dem unglaublich viel passiert ist. Und irgendwie auch nicht wenn ich in mein Schlafzimmer und einen Teil meines Wohnzimmers blicke, wo in einer Ecke immer noch 2-3 Kisten stehen, die darauf warten, durchgesehen und weggeräumt zu werden. Weil ich mir bisher nicht die Zeit dafür genommen habe. Die ich eigentlich, so wie sie sind in den Keller räumen könnte. Habe ich doch bereits ein Jahr gut ohne das Zeug gelebt. Wäre wohl der beste Plan 😉

Ein Jahr, das die ersten Monate von vielen Höhen und Tiefen geprägt war. Von einer Trennung, die mich viel Energie, Schmerz und Tränen gekostet hat. Die ich, obwohl wir uns letztendlich beide nicht mehr so geliebt haben wie es in einer Partnerschaft sein sollte, wieder einmal nicht kampflos aufgegeben habe.
Für die ich aber, im Nachhinein betrachtet, trotzdem Großteils selbst schuld bin. Obwohl ich meinen Partner nie betrogen habe, war ich vermutlich der Auslöser. Weil ich mir eingebildet habe, jemand Anderer wäre interessanter. Weil ich dachte, dass er mir mehr geben könnte. Und dass derjenige es diesmal ernst mit mir meint. Doch ich hätte es wissen müssen. Dass er sich nie ändern wird. Weil er schlichtweg zu chaotisch ist für mein Leben. Das Bauchgefühl hatte wie immer Recht. Recht indem es sagte: „Menschen ändern sich nicht“. Er hat es mir letztendlich in mehrerer Hinsicht selbst bestätigt, indem er mir, obwohl er um mich kämpfen hätte können, auf meine letzte Mail schrieb:
„Du hast Recht! Diesen Ansprüchen werde ich nicht gerecht. Vermutlich nie! Tut mir Leid um die Zeit, die ich dir geraubt habe. Ich wünsche dir alles Glück, diesen Prinzen zuwenden. Du wirst es brauchen. Ich hingegen werde meinen Platz zwischen den Extremen finden. Alles Liebe und Gute Eleni!“

Obwohl das Bauchgefühl so eindeutig war musste ich es herausfinden. Trotz der Gefahr, dass ich eine der beiden Entscheidungen eines Tages bereuen würde. Ob ich es heute bereue? Ja und nein. Hätte ich es nicht getan, hätte ich andere Menschen mit ziemlicher Sicherheit nicht getroffen. Denke ich wiederum an all die schönen gemeinsamen Momente zurück, an die vielen tollen Erlebnisse… an unsere Gemeinsamkeiten und das, was wir noch alles machen hätten können…
Klar frage ich mich da „wars das wert? Das alles aufzugeben? Hätten wirs nicht doch durchstehen können? Bis die stressigen Jahre unseres Doppellebens, mit fast Fulltimejob + nebenbei Studium fertig machen vorbei sind?“.

Und doch meinen viele meiner FreundInnen, dass ich ohnehin schon wieder viel zu geduldig war und dass auch er sich nie ändern wird. Zu lange schon alleine gelebt hat um eben mit einem Menschen zusammen zu leben. Sonst wären wir ja zusammengezogen.
Vermutlich haben sie Recht. Die Probleme waren definitiv da, das lässt sich nicht abstreiten und unsere Zukunftspläne sind auch zum heutigen Zeitpunkt immer noch zu verschieden. Trotzdem waren unsere Probleme in Summe selten zwischenmenschlicher Natur und das Hauptproblem der alles umfassende Begriff „Zeit“. Was auch der Grund war warum wir letztendlich beschlossen haben, Freunde zu bleiben. Ja ich weiß, die obligatorische Floskel. Doch bei uns funktioniert es zum Glück tatsächlich. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass wir noch rechtzeitig den Schlussstrich gezogen haben. Weils auf dieser Beziehungsebene keinen Sinn mehr gemacht hat. Vermutlich hätten wir uns komplett zerstritten wenn es noch ein paar Monate länger gegangen wäre. So hatten wir sogar noch einen tollen Segelurlaub und gehen auch heute noch gemeinsam radfahren, laufen, auf Konzerte oder geocachen. Sofern es eben die Zeit zulässt.

Ein Jahr, das auch von vielen unglaublich lustigen Momenten geprägt war.
Von Einrichtung bis Hochbeet planen. Von Bauen bis Pflanzen einkaufen. Von der Ernte bis hin zum erfolgreichen Abschluss des Projekts: Biodiversität von Nutzpflanzen auf einem 16m² großen Balkon.

Ein Jahr, indem ich mich trotz Verletzung im Frühjahr und monatelangem Sportverbot im Oktober erneut durch den Gatsch nach oben gekämpft habe, um die Wildsau-Dirt-Run-Medaille in Empfang zu nehmen.
Ein Jahr, indem ich noch nie so weit und hoch hinauf gewandert bin. Ohne dieses Training hätte ich sicher nicht den Mut gehabt, es doch noch schaffen zu können. Und obendrein eine wunderschöne Zeit mit einer lieben Freundin gehabt.

Ein Jahr, mit dem definitiv coolsten und zugleich heißesten Sommer meines Lebens! Mit der geilsten Sommerparty am Neufeldersee, die im Freundeskreis wahrscheinlich ewig in Erinnerung bleiben wird. Der mit dem krönenden Abschluss in Form eines Segelturns geendet hat.

Ein Jahr, mit einer wunderschönen Weihnachtszeit. Einem Adventbeginn in Innsbruck und einem Abschluss zu Silvester, wo ich endlich meine Wohnungseinweihungsparty und meinen Geburtstag nachgefeiert habe. Schöner und lustiger hätte es nicht sein können. Jedes Mal wenn ich daran denke, entsteht ein richtig breiter Grinser in meinem Gesicht. Es war einfach perfekt. Danke ihr alle, die ihr mitgefeiert habt! Ein größeres Geschenk hättet ihr mir nicht machen können.

Ein Jahr, indem ich großartige Menschen getroffen habe, die mir mit ihren Worten unglaublich viel gegeben haben. Speziell ein Mensch, bei dem ich mir wünsche, dass wir uns, egal was die nächsten Jahre so passieren mag, einfach nie aus den Augen verlieren. Um eines Tages, als alte, verrunzelte Menschen mit Gehstock auf einer Bank unter einem Baum sitzen zu können. Um uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen zu können. Weil wir es uns versprochen haben.

Ein Jahr, indem Menschen gegangen, gekommen – und Freunde geblieben sind. Ein Jahr, indem sich gezeigt hat, was Freundschaft wirklich bedeutet. Mit wem ich toll feiern kann und wer wirklich für mich da ist. Wieder einmal DANKE ihr Lieben. Ich glaub ich kanns euch gar nicht oft genug sagen wie viel ihr mir bedeutet 🙂

Ein Jahr, indem sich ein Teil meiner Familie via Zufall (wieder-)gefunden hat, der sich bis dato noch nicht kannte. Ausgerechnet im entfernten Waldviertel, obwohl wir sonst nur ein paar Kilometer voneinander entfernt wohnen. Die schrägste Geschichte überhaupt.

Ein Jahr, indem so viel passiert ist, dass ich nur einen Teil erzählen kann. Dass auch Dank all dieser schönen Momente nur selten von Einsamkeit geprägt war obwohl ich doch sehr oft auch alleine war.

Ein Jahr, indem ich mir aber tatsächlich auch des Öfteren gedacht habe: „Welt, du kannst mich mal“. Vor allem in den letzten zweieinhalb Monaten, die wahnsinnig stressig und alles andere als einfach waren. G. du hattest wieder einmal völlig Recht 😀

Ein Jahr, indem ich mehr zu mir gefunden habe als je zu vor. In mir angekommen? Vielleicht. Es war auf alle Fälle ein Jahr, indem ich trotz zahlreicher Höhen und Tiefen wieder einmal unglaublich viel Glück hatte. Glück, solch großartige und liebe Menschen um mich zu haben. Die tollste Familie. Die besten FreundInnen.
Und wo sich ein Satz von Andre Gide mehr als nur bewahrheitet hatte: „Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere.“ 🙂