Doppelte Sehnsucht

Jedes Mal wenn ich in deine Augen sehe
Sie zu ergründen versuche
Und mich sofort wieder innerlich verfluche

Wenn ich auf deine Lippen blicke
Ganz still deinen Worten lausche
Und mir gedanklich schon wieder die Haare raufe

Wenn ich davon träume,
dass du mein Gesicht in deine Hände nimmst
Und deine Lippen sanft auf meine bringst

Wenn ich mir ausmale
Wie du mich berührst
Und mich damit hoffnungslos verführst

Wenn ich dich anschmachte
Du mich neckst und mit mir spielst
Und du mich genauso willst

Wenn ich mir vorstelle
Wie du cool und männlich vor mir stehst
Und ich mir heimlich wünsch‘, dass du mit mir schläfst

Wenn ich nur daran denke
Wie du neben mir liegst
Und deinen Kopf sanft an meinen Nacken schmiegst

Dann dreh ich halb durch
Hier allein, so ganz ohne dich
Darum bitte Zeit, vergeh und rette mich!

© Eleni Anthea, Wien, August & September 2015

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Erich Fried – Dich (oder weil ich dich liebe, so wie du bist)

ERICH FRIED – DICH

Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
daß du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt mir nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem –
nach allem
Was du ist

Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen
und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit

Dann
ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer

(Quelle: Fried, E., 1983. Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte. Zorngedichte. Berlin: Wagenbach Verlag.)

~

…die großartigsten Menschen sind oft jene, die es am wenigsten glauben oder begreifen können und dennoch das Meiste bewirken, indem sie rein in ihrem Dasein unser Leben verzaubern und bereichern. 🙂

Spürst du dich noch?

Wenn du die Augen schließt
Spürst du es noch?
Mitten in dir
Das Leben, wie es pulsiert

Wenn du tief einatmest
Riechst du sie noch?
Mit deiner Nase
Die Natur, wie sie duftet

Wenn du gehst
Fühlst du ihn noch?
Mit deinen Füßen
Den Boden, wie er sich bewegt

Wenn du losläufst
Kannst du es noch?
In deinem Kopf
Die Gedanken, einfach loslassen

Wenn du dich quälst
Siehst du es noch?
Auf deiner Strecke
Das Ziel, um weiterzukommen

Wenn du verloren gehst
Entdeckst du ihn noch?
Auf deinem Weg
Den Hinweis, um dich wieder zu finden

Wenn du stehen bleibst
Tust du es noch?
In deiner Eile
Einmal innehalten, um zu genießen

Wenn du in dich gehst
Erkennst du ihn noch?
In deiner Seele
Den Anker, der dich festhält

Wenn du es verspürst
Traust du dich noch?
Aus deinem Herzen
Zu weinen, egal wo du gerade bist

Wenn du nicht mehr weiter weißt
Fragst du ihn noch?
In deiner Situation
Den Menschen, der dir nahe ist

Wenn du jemanden liebst
Hast du ihn noch?
In deinem Herzen
Den Mut, die Gefühle auszusprechen

Wenn du dir etwas wünschst
Hast du sie noch?
In deinen Träumen
Die Hoffnung, dass es wahr wird

Wenn du lachst
Kannst du es noch?
Aus ganzem Herzen
Unbekümmert sein, wie ein Kind

Wenn du die Augen wieder öffnest
Erkennst du sie wieder?
In deinem Leben
Die vielen Farben, wie sie leuchten

© Eleni Anthea, Wien, 16. Februar 2015

Schneegestöber

Ich möchte tanzen
Mit dir durch den Schnee
Wie die Flocken herumwirbeln
Und dir helfen, für einen Augenblick das Chaos zu vergessen

Ich möchte dich umarmen
Egal ob kurz oder lang
Dich spüren lassen, dass du nicht alleine bist
Und dir das Gefühl von Geborgenheit wieder geben

Ich möchte fallen
Gemeinsam mit dir
Rücklings in den Schnee
Und für einen Moment alle Sorgen einfrieren

Ich möchte dich wieder zum Lachen bringen
Oder mit dir weinen
In der Nacht, wo uns niemand sieht
Und dich trösten, auch wenn ich deine Probleme nicht lösen kann

Ich möchte dich küssen
Liebevoll auf die Stirn
So wie du es einst bei mir getan hast
In dieser einen Nacht
Und mein Herz damit aus dem Gleichgewicht gebracht hast

Eleni Anthea, Wien, Jänner 2015

Schlaflos

Die Beine vom Sport
So unglaublich schwer

Der Kopf vom Lernen
So müd, aber immer noch nicht leer

Der Sturm und die Gedanken
Die sich wiedermal gemeinsam zanken

Die Zeit, Stunde für Stunde vergeht
Wie der Wind, der draußen langsam schwächer weht

Die Nacht wird wiedermal zum Tag
Oh Schlafrhythmus, wie sehr ich dich doch mag!

Eleni Anthea, Wien, 11. Jänner 2015

Friedrich Schiller oder die Macht der Poesie, mein Raum der Zeit und meine treuen Begleiter

31. August 2011

Friedrich Schiller – Sprüche des Confucius

1.
Dreifach ist der Schritt der Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.

Keine Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt.
Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt.
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die Stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise
Endigen des Lebens Reise?
Nimm die Zögernde zum Rath,
Nicht zum Werkzeug deiner That
Wähle nicht die Fliehende zum Freund.
Nicht die Bleibende zum Feind. 

2.
Dreifach ist des Raumes Maß:

Rastlos fort ohn’ Unterlaß
Strebt die Länge fort ins Weite,
Endlos gießet sich die Breite,
Grundlos senkt die Tiefe sich.

Dir ein Bild sind sie gegeben:
Rastlos vorwärts mußt du streben,
Nie ermüdet stille stehn,
Willst du die Vollendung sehn;
Mußt ins Breite dich entfalten,
Soll sich dir die Welt gestalten,
In die Tiefe mußt du steigen,
Soll sich dir das Wesen zeigen.
Nur Beharrung führt zum Ziel,
Nur die Fülle führt zur Klarheit,
Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

~

Mein Raum der Zeit und seine Gefährten

Die Vergangenheit, die wir nicht mehr ändern können. Die ein Teil von uns ist. Mit der wir umgehen und leben müssen. Aus der wir nur noch lernen und dankbar etwas mitnehmen können.

Die Gegenwart, die Momente und Augenblicke gleichermaßen vereint. Mit der Aufforderung sie zu leben und zu genießen. Auch wenn Vernunft und Chaos sich manchmal in die Quere kommen und das Produkt Gefühlschaos hervorbringen.

Die Zukunft, die wir nur erahnen können. An die wir manchmal große Erwartungen stellen. In die wir hoffnungsvoll und bisweilen auch sehr verängstigt blicken. In die wir uns, ohne Freunde an unserer Seite, vielleicht nicht blicken trauen würden. Weil sie die Menschen sind, die uns in der Gegenwart begleiten.

DANKE an meine Begleiter… =)

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Wien, 16. November 2014

Mein Raum der Zeit und meine treuen Begleiter

Die Vergangenheit, die durch meine Systemumstellung plötzlich aufgetaucht ist und mir einmal mehr ein Lächeln geschenkt hat. Weil sie sich zum Glück nicht ändern lässt.

Die Gegenwart, die mir zeigt, wie viel seit diesem Tag passiert ist. Wie sehr ich mich verändert und weiterentwickelt habe. Wer gegangen, wer geblieben und wer dazugekommen ist.

Die Zukunft, die mir Mut macht, gelegentlich in die Vergangenheit zu blicken um weiter zu wachsen. Alleine, an mir selbst und mit den Menschen an meiner Seite.

DANKE an meine treuen Begleiter. 🙂

 

Vernunft und Wahnsinn

Es ist Schwachsinn.
Ist mir egal.

Es ist verrückt.
So bin ich nun einmal.

Es bedeutet Chaos.
So ist das Leben.

Es führt zu nichts.
Ich will es eben.

Es ist nicht Liebe.
Aber leider geil.

Es wird dich treffen.
Nicht dieser Pfeil.

Es ist unfair.
Ja das kann sein.

Es ist gegen deine Prinzipien.
Mit denen war ich eh meist allein.

Es ist nur Ablenkung.
Das ganz bestimmt.

Es bleibt ein Risiko.
Wie man es nimmt.

Es wird schwierig.
Das bin ich gewohnt.

Es ist Leichtsinn.
Der sich trotzdem lohnt.

Es ist nur ein Abenteuer.
Ich will auch nicht mehr.

Er ist nicht DER.
Ja das schmerzt sehr.

Es ist nicht Vernunft sondern Wahnsinn.
Nicht alles im Leben ergibt einen Sinn.

Eleni Anthea, Wien, 05. November 2014