Song of the day: Disturbed – The Sound Of Silence

Disturb the sound of silence. Es ist still geworden hier auf diesem Blog. Seit beinah 9 Monaten habe ich nicht’s persönliches mehr geschrieben. Keine Gedichte. Keine Tagebücher. Nicht einmal mehr Notizen. Ich konnte nicht. Etwas hatte mir seit meinem Umzug die Sprache verschlagen.

Dabei ist so viel passiert in den letzten 9 Monaten, dass ich eigentlich ein ganzes Buch darüber schreiben könnte. Es war sogar einst der gemeinsame Plan. Einer von vielen. Vielleicht würde es sogar ein Bestseller werden, weil sowohl die Geschichte als auch die Protagonisten und Protagonistinnen einem Hollywooddrama gleichen. Doch ich merke, dass die Zeit dafür (noch?) nicht reif ist.

Seit ein paar Wochen bin ich wieder zurück. Wieder in Wien. Wieder bei meinen Freunden und bei meiner Familie. Zurück bei den Menschen, die mich mehr vermisst haben, als ich es mir je gedacht hätte. Die mir einmal mehr enorm viel Kraft und Halt geben und mich ermutigen, meinen neuen beruflichen Weg weiter zu verfolgen.

Ja, das ganze Drama der letzten 9 Monate war zumindest für eine Sache gut (und ja, in der Hinsicht habe ich dir viel zu verdanken): ich habe beruflich eine neue Richtung eingeschlagen und mich die letzten Monate primär auf eins konzentriert. Auf meine Leidenschaft, die Fotografie. Mensch und Natur. Ich habe ein neues Projekt gestartet und die Fotografie komplett ausgegliedert (wer mehr dazu erfahren möchte kann mir gern eine Mail schicken). Auch ein Grund warum es hier so still geworden ist.

Und dann kam gestern Abend dieses Lied. Im Radio, beim Heimfahren im strömenden Regen. Ich geb’s zu, es hat mir das erste Mal seit Wochen wieder die Tränen in die Augen getrieben. Mich so unfassbar bewegt, dass ich kurz anhalten und tief durchatmen musste. Weil es das perfekte Lied ist. Ein Teil unseres Soundtracks. Vielleicht sogar der Titelsong. Ich weiß es nicht. Vielleicht weißt es du…

Es gibt noch so viel ungeklärtes in mir drinnen. So viele Fragen und so viele „warum?“s. So viele Emotionen und Gefühle, die ich noch nicht zuordnen kann weil ich sie größtenteils wegschiebe und verdränge. Ja ich weiß, das ist nicht gut. Aber im Moment fehlt mir die Kraft mich damit auseinanderzusetzen und diesen Schmerz zu ertragen. Auch, weil ich meine restlichen Energien grad anderweitig einsetzen muss. Für meine berufliche Zukunft.

Hello darkness, my old friend
I’ve come to talk with you again
Because a vision softly creeping
Left its seeds while I was sleeping
And the vision that was planted in my brain
Still remains
Within the sound of silence

In restless dreams I walked alone
Narrow streets of cobblestone
‘Neath the halo of a streetlamp
I turned my collar to the cold and damp
When my eyes were stabbed by the flash of a neon light
That split the night
And touched the sound of silence

And in the naked light I saw
Ten thousand people, maybe more
People talking without speaking
People hearing without listening
People writing songs that voices never share
No one dare
Disturb the sound of silence

“Fools” said I, “You do not know
Silence like a cancer grow
Hear my words that I might teach you
Take my arms that I might reach you”
But my words like silent raindrops fell
And echoed in the wells of silence

And the people bowed and prayed
To the neon god they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said “The words of the prophets
Are written on subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence”
[Quelle: http://www.azlyrics.com/lyrics/simongarfunkel/thesoundofsilence.html]

Dankeschön :-)

Dankeschön. Den ganzen Tag hab ich durchgehalten und nicht zu heulen begonnen bei so vielen herzlichen und besonderen Verabschiedungen an meinem letzten Arbeitstag. Und jetzt, wo ich einmal mehr im abendlichen Wiener Stau stehe kommen mir plötzlich bei diesem Lied die Tränen.

Weil ich so viele liebe Kollegen zurücklassen muss. So manche nun als Freundin bzw. Freund. Auch wenn ich weiß, dass ich sie wieder sehen werde. Es schmerzt in dem Moment trotzdem.

Nachdem ich weiß, dass ein paar davon dies hier lesen werden, möchte ich es noch ein letztes Mal loswerden:

Dankeschön. DANKE für diese schönen, lehrreichen und intensiven Jahre mit euch. Ihr habt mich nicht nur einmal bewegt, gepusht und zum nachdenken angeregt. Meine Nerven beruhigt, mich getröstet und lieb gehabt. Mit Worten und mit Taten. Und damit auch einen Teil zu der Person beigetragen, die ich heute bin.

Danke meine Lieben. Ich werd euch niemals vergessen. 🙂

~

Das Lied findet man auf der offiziellen Seite der Band auf dem Album „Neuer Morgen“.

http://www.sts.cc/musik/default.aspx

Lieder schreib’n wenn du sie schreib’n kannst und net wenn du musst

Niemand nimmt die Zeit dir weg, die man braucht bei so vielen Frag’n

A ziemlich schönes Leben leben
Da kann man schon einmal Dankschön sag’n

Da kann man schon einmal Dankschön sag’n
Manche Leut’ leih’n dir ihr Ohr, and’re zieh’n in dein Herz ein

Und a paar Freund’werd’n immer, wenn du sie brauchst, für dich da sein

Kollegen, die seit dreißig Jahren sich mit dir freu’n und plag’n

Und weil man ‘s vielleicht noch nie g’sagt hat
Sollt’ man einmal Dankschön
sag’n

Sollt’ man einmal Dankschön sag’n
Laue Nächte, tausend Küsse, bis du betrunken warst davon

Meeresrauschen und die Musik, jeder Augenblick a Ton

Durch wie viele schöne Abende hat das Publikum einen getrag’n

Weil man nie weiß,wann der Abschied kommt
Muss man einmal Dankschön sag’n

Muss man einmal Dankschön sag’n

(Quelle: http://www.sts.cc/texte/text.aspx?176)

Magic Letters – Geheimnisvoll

Geheimnisvolles Geocaching. Ja, dieser „Lost Place Multi Geocache“ vom vergangenen September war wirklich äußerst genial. Nicht nur weil er wegen seiner Weitläufigkeit ein stundenlanges Rätsel war. Es waren viel mehr die einzelnen Stages, die uns auf unterschiedliche Art und Weise völlig faszinierten.

Bei denen ich Objekte entdeckt habe, die mich auf neue Ideen brachten, sodass ich einmal ganz anders hingesehen und abgedrückt habe. Und danach feststellte, dass so manches auch ohne Makroobjektiv durchaus geheimnisvoll sein kann. 😎

Danke liebe Paleica für das geheimnisvolle G. Damit hatte ich endlich die perfekten Rahmenbedingungen diese Bilder zu zeigen, die ebenfalls schon lange auf ihre Veröffentlichung gewartet haben. 🙂

Song of the day: James Blunt – Shine On

„Shine on. Shine brightest.“ Es gibt Worte und Menschen, die vergisst man nie. Und Lieder, die einen immer wieder aufs Neue daran erinnern.

Am Weg zur Arbeit spuckte mir der iPod heute dieses Lied aus. Fast hätte ich in der U-Bahn deswegen losgeheult. Weil ich seit gestern Abend wieder komplett aufgewühlt bin. Und das nur, weil ich mir das erste Mal seit dem Kinobesuch damals, den Film „eat, pray, love“ nach dem Training angesehen habe (den ich im Vergleich zur englischen bzw. deutschen Version des Buches damals ziemlich schlecht fand).

Doch gestern betrachtete ich den Film aus einer ganz anderen Perspektive und er berührte mich in einer Form, mit der ich definitiv nicht gerechnet habe. Vielleicht, weil er diesmal ganz andere wunde Punkte in mir traf. Weil ich diesmal keinem Mann bzw. hauptsächlich mir selbst verzeihen musste. Nein, diesmal traf er auf die Suchende und ihren Kampf mit der großen Ungewissheit. Auf die vielen Fragezeichen, wie mein Leben beruflich weiter gehen soll. Ob ich diese psychische Belastung in Form der Ungewissheit meiner Stelle bis November durchhalte, oder ob ich vorab eine Entscheidung treffen werde, die vielleicht mein gesamtes Leben verändern könnte. Ob ich mich nun endlich drüber trauen und noch mehr für die Erfüllung meines Traumes tun werde, oder ob mir auch hierfür noch der Mut fehlt. Eine Veränderung, die ich mir einerseits sehnsüchtig wünsche und doch bin ich mir zugleich nicht sicher, ob ich dafür schon bereit bin. Ob ich genügend Selbstbewusstsein habe, alleine einen neuen Weg einzuschlagen und im Bedarfsfall für eine Weile alles hier hinter mir zu lassen. Meine Familie, meine Freunde, mein Studium und meine Wohnung. Um herauszufinden, ob der Weg den ich beruflich einschlagen möchte, wirklich der Richtige ist. Auch wenn ich jederzeit wieder umdrehen könnte. Die Angst, womöglich die falsche Entscheidung zu treffen ist dennoch da. Doch eine Entscheidung muss ich treffen. Für mein Seelenwohl. Denn so kann es nicht mehr lange weitergehen. So viel steht fest. Und ich denke, die kommenden Wochen werden mir den Weg zu dieser Entscheidung weisen.

Danke L., für diese letzten Worte. Sie bedeuten mir auch so viele Jahre später immer noch die Welt. Ich wünschte, ich könnte dir alles erzählen was mich grad so wahnsinnig bewegt. Denn du mit deiner Menschenkenntnis hättest bestimmt ein paar gute Ideen und Tips dazu auf Lager. Zumal du vor einigen Monaten selbst vor einer ähnlichen Entscheidung gestanden bist. Ich hoffe, es geht dir gut. 🙂

Are they calling for our last dance?
I see it in your eyes. In your eyes.
Same old moves for a new romance.
I could use the same old lies, but I’ll sing,

Shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.

And when silence greets my last goodbye,
The words I need are in your eyes, and I’ll sing,

Shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.

So shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.
(Quelle: http://www.jamesblunt.com/audio/lyrics.htm?lyric=18&loc=)

Song of the day: Willie Nile – Streets Of New York

Freitag, 13. März 2015

Vermissen. Heute merke ich einmal mehr, wie sehr ich dich manchmal vermisse. Dich als Mensch. Den Freund. Weil du der einzige Mann bist, der je verstanden hat, wie viel mir Musik bedeutet. Die Worte. Die Texte. Wie tief sie mir immer unter die Haut gehen. Bis ins Herz. Weil Musik die Sprache unserer Seele ist.

Ich wünschte ich könnte diesen Moment mit dir teilen. Dir dieses tolle Lied schicken, das ich auf Gerhards Blog entdeckt habe (danke noch einmal), und mit dir über diesen großartigen Künstler philosophieren. Nein, gemeinsam stundenlang bei seinen Liedern versinken. Ich glaube, du würdest ihn lieben. So wie wir Bob Dylan lieben. Und Damien Rice.

Doch ich kann es nicht, weil zwischen uns seit 4 Monaten Funkstille herrscht. Dabei wüsste ich gerne wie es dir geht. Ob sich das Chaos in deinem Leben ein wenig gelichtet hat. Ob es dir gut geht. Ob du nun glücklich bist. Und, ob du mich auch vermisst. Zumindest gelegentlich.

The streets of New York
A maze made of iron and stone.
A labyrinth complete,
With edges that cut through the bone.

They come by the millions,
The hipster, the prince and the clown.
They come ‘cause they know that
Something’s going down…
On the streets of New York.

The streets of New York
Wind and turn in their own crooked way.
A motherless child,
So reckless at work and at play.

Still-born buildings abound,
Corporations of steel,
Long lines at the lost and found
All serve to reveal…
The streets of New York

The streets of New York
Have faces only mothers could love.
From rich boys in silk,
To panhandlers who can’t get enough.

Drifters ride on the subways,
Hustlers roam through the night.
Tourists come back again and again
Until they get it right…
On the streets of New York.

The streets of New York
Unfold like a matchmaker’s dream.
Day becomes night,
Through canyons of concrete and steam.

Juliet on the rooftops,
Romeo underground.
Late at night when their lips meet,
You can’t hear a sound…
On the streets of New York.

The streets of New York
Have places where two hearts can meet.
The west side, uptown
Or down here on Revington Street.

Meet me tonight by the station,
Meet me in Washington Square.
We’ll drink wine and dance on the moonlight,
And I’ll hold you in the air…
On the streets of New York.
(Quelle: http://www.lyricsmode.com/lyrics/w/willie_nile/streets_of_new_york.html)

Schicksalstag oder I will never forget you

“When we least expect it, life sets us a challenge to test our courage and willingness to change; at such a moment, there is no point in pretending that nothing has happened or in saying that we are not yet ready. The challenge will not wait. Life does not look back. A week is more than enough time for us to decide whether or not to accept our destiny.”
– Paulo Coelho, The Devil and Miss Prym

Decisions. Ich hätte die Zeit in meinem zweiwöchigen Krankenstand, für vieles nutzen können. Ich hätte im liegen lernen können. Mir zahlreiche Vorlesungsaufzeichnungen ansehen können. Ich hätte endlich all jene Bücher lesen können, die sich seit Ewigkeiten in meinem Bücherregal auf der „ungelesen“ Seite stapeln. Ich hätte auch die ganze Zeit mit fernsehen oder DVD schauen verbringen können. Oder im Internet auf die Suche nach neuer Musik gehen können. Oder meine Freunde bitten, dass sie mich besuchen kommen.

Doch ich habe kaum etwas davon getan. Stattdessen habe ich etwas anderes, für mich sehr wichtiges gemacht. Ich habe mich um mein Seelenwohl gekümmert.

Vor ca 2 Monaten sind mir eines morgens im Badezimmer zwei Sätze durch den Kopf geschossen, die ich zwar gleich notiert habe, tiefer damit befasst habe ich mich allerdings nicht.

„Man kann Gefühle negieren. Man kann sie auch verdrängen oder unterdrücken.
Man kann sie aber auch einfach zulassen, zu ihnen stehen und das Beste daraus machen, indem man sich mit ihnen auseinandersetzt und sie verarbeitet.“

Und genau das habe ich diesmal getan. Weil ich es endlich konnte. Ich habe alles zugelassen, was hochkommen wollte. Mich mit allem beschäftigt, was noch offen war. Egal aus welchem Jahr, oder aus welchem Lebensabschnitt.

Etwas, das ich in dem Ausmaß schon viel zu lange nicht getan habe, weil mir die Ruhe, die Zeit oder die Energie gefehlt hat. Die ich diesmal hatte. Weil ich das erste Mal seit Monaten wieder komplett mit mir im reinen bin. Keine Leere mehr in mir habe, sondern mich wieder so richtig spüre. Stolz bin auf die Entscheidungen, die ich in den vergangenen Wochen getroffen habe. Und dankbar für all die Erfahrungen.

Was ich nicht zuletzt Bochum und den Menschen, mit denen ich dort unterwegs war, zu verdanken habe. Unglaublich liebe Menschen, die sehr viel in mir bewegt und wachgerüttelt haben. 🙂

Ich glaube ja an Schicksal. Und daran, dass alles im Leben irgendeinen Sinn ergibt. Für irgendetwas gut ist. Auch wenn man nicht gleich weiß wofür.
Manch einer würde vielleicht sagen: „Dumm gelaufen. Der Sturz ist dir sicher passiert, weil du nicht gscheit aufgepasst hast“. Ich sage: „Ja, ich habe womöglich nicht gscheit aufgepasst, doch der Sturz passierte mir nicht an „irgendeiner“ Stelle.“

Denn er passierte genau in dem Moment, wo ich einen Schritt hinunter gehen wollte und zugleich nach links blickte. Um mir diesen Anker an der Wand noch einmal anzusehen, der mich bereits beim Hinaufgehen so fasziniert hatte. Denn ich liebe diese Dinger einfach. Seit ich denken kann. Und mittlerweile glaube ich sogar zu wissen warum (aber das ist eine andere Geschichte). Also vielleicht wollten mir der Anker und der Sturz genau das sagen:

„Schau endlich wieder auf dich. Auf dein Herz und deine Seele. Denn sie sind dein Anker.“

Ja, ich habe zwar vieles in den vergangenen Wochen geklärt, meine eigenen Gefühle aber großteils weiterhin verdrängt und negiert. Bis zu diesem einen Tag.

Alles begann damit, dass ich irgendwann mit den Krücken vor meinem Bücherregal stand und dieses schöne graue Notizbuch entdeckte, das mir eine liebe Freundin zu einem Geburtstag geschenkt hatte. Das ich mir für besondere Texte aufgehoben hatte. Und da ich eine Pause vom vielen herumliegen brauchte, klemmte ich es unter den linken Arm, humpelte ins Schlafzimmer, kramte aus der großen weißen Holztruhe das Kalligraphiefederset hervor, klemmte dies unter den rechten Arm und humpelte damit zum Küchentisch. Und dann begann ich, sämtliche Texte, die ich unter „thoughts & memories“ veröffentlicht hatte, fein säuberlich in dieses Notizbuch zu übertragen. Etwas, das ich schon sehr lange tun wollte und wofür mir ebenfalls die Zeit und die innerliche Ruhe gefehlt haben.

Als ich mir die Texte am iPad noch einmal durchlas bemerkte ich schon, wie sich etwas in mir veränderte. Dass ich mich unweigerlich wieder mit den Texten auseinandersetzte. Weil sie mich erinnerten. Wie Lieder es sonst oft tun. Was klar war, denn es waren ja auch meine Worte. Doch die Tränen kamen mir erst in dem Moment als ich begann, diesen Text abzuschreiben:

„Carry Your Smile (Always With You)“

Ein Text, an dem ich fast ein Jahr lang geschrieben habe. Aber nicht weil die englische Sprache für mich eine große Barriere darstellt, im Gegenteil. Gelegentlich fällt es mir sogar leichter in dieser Sprache zu sprechen als in meiner eigenen Muttersprache.

Ich habe deswegen so lange daran geschrieben, weil er mir so unglaublich viel bedeutet. Weil ich über jedes Wort gefühlte hundert Mal nachgedacht habe. Sie zerlegt habe, in ihre einzelnen Buchstaben. Um sie so lange entsprechend anzuordnen, bis ich endlich mit der Aussage zufrieden war. Und das nur, weil mir die Worte so sehr am Herzen liegen wie der Mensch, um den es in diesem Text geht. Der Ende 2013, in ein paar Tagen mehr in mir ausgelöst und bewegt hat, als so mancher Mann über Jahre zuvor. Der mein Seelenverwandter ist. Vielleicht sogar die Liebe meines Lebens? Eine Frage, die ich wohl erst am Ende mit Sicherheit beantworten kann.

Ich habe versucht, ihn mit diesem Text Stück für Stück loszulassen, da er zum damaligen Zeitpunkt mit einer anderen Frau sehr glücklich war und es vermutlich immer noch ist. Und so sehr ich mich auch für ihn gefreut habe, der Schmerz, dass sie es an meiner Stelle ist, war auch nach über einem Jahr immer noch zu groß. Weswegen ich mich damit in der Nacht vor meinem Geburtstag mehr oder weniger von ihm „verabschiedet“ und ihn aus meinem Leben „verbannt“ habe.

Weil ich einen Schlussstrich ziehen wollte und mit dem Beginn des neuen Lebensjahres, auch auf einen Neubeginn hoffte. Hoffte, dass es für mich damit endgültig getan sein würde. Dass dann nicht nur die Bilder und die Erinnerungen in meinem Kopf verschwinden würden, sondern auch meine Gefühle für ihn.

Doch ich hätte es wissen müssen. Dass alles eines Tages noch einmal hochkommen würde, da ich unsere Geschichte trotz dieses Textes nie zur Gänze verarbeitet habe. Ihn auch damit nicht komplett gehen lassen konnte. Vielleicht weil für mich noch zu viele Fragen offen sind. Die vielleicht völlig naiv und absurd klingen, wenn man uns und unsere Geschichte nicht kennt. Die für mich jedoch trotzdem von sehr hoher Bedeutung sind.

„- Wieso will das Schicksal, dass sich zwei Menschen kennenlernen, die sich in ihrem Denken, in ihren Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen, in ihren Hobbys, in ihrem Tun und Handeln, so unfassbar ähnlich sind… die sich sogar ohne Absprache dasselbe Bett kaufen, um ein Beispiel zu nennen… wieso führt das Schicksal solche Menschen zusammen, wenn sie dann doch nicht zusammenkommen? Wo liegt darin der Sinn?
– Warum waren es wirklich nur 99% und nicht 100%?
– Gibt es überhaupt 100%? Besteht nicht immer ein Restrisiko? Dass es trotz 100% womöglich nicht dauerhaft funktioniert? 
– Sind nicht die 1% Unterschied vielleicht sogar die 1%, warum es funktionieren könnte?
– Weil 99% eben nicht 100% sind, wir alle keine Götter sind und niemand perfekt ist? Und das nicht-perfekte in Wahrheit vielleicht sogar perfekt ist?

– Waren seine Gefühle für mich damals wirklich nicht groß genug, oder fehlte ihm womöglich einfach nur der Mut?
– Oder war es in vielerlei Hinsicht einfach nur der denkbar schlechteste Zeitpunkt? Mein Pech, dass ich zu einem Zeitpunkt in sein Leben getreten bin, wo er noch zu viel Chaos um sich hatte? Obwohl er es ja war, der den Anstoß zu allem gab?
– War er vielleicht damals einfach noch nicht bereit? Warum aber dann für eine Andere?
– Oder war es vielleicht sogar mein Glück dass es damals nicht funktioniert hat, weil es ebenfalls nicht von Dauer gewesen wäre? Weil wir uns in Wahrheit erst beide selbst wiederfinden mussten?
– Weil wir vielleicht doch für einander bestimmt sind, sofern es so etwas gibt? Nur einfach nicht momentan?
– Oder hat es einfach nicht sein sollen, weil ich eines Tages jemanden kennenlernen werde, dem ich noch viel näher sein werde? Der mich noch mehr berühren wird?“

Fragen, auf die ich vermutlich nie eine Antwort bekommen werde. Die mir hoffentlich eines Tages auch nicht mehr wichtig sein werden. So wie vielleicht er. Denn er hätte das Blatt zu jeder Zeit wenden können.

Ich könnte jetzt einen neuerlichen Versuch wagen und es einfach gut sein lassen. Versuchen, ihn zu vergessen und die ganze Sache abhaken. Weil ich die Situation zwischen uns nicht ändern kann. Das kann nur er oder das Schicksal.

Doch ich kann meine Situation ändern, indem ich zu meinen Gefühlen stehe, sie diesmal nicht negiere und verdränge, sondern mich mit ihnen auseinandersetze und damit hoffentlich verarbeite.

Ich weiß noch nicht wohin mich all dies hier führen wird. Vielleicht zu neuen Orten, neuen Abenteuern, neuen Fotos, neuen Menschen, neuen Gefühlen, neuen Texten oder zu neuen Liedern. Vielleicht zu allem. Vielleicht auch zu nichts davon.

Doch ich weiß eines mit Sicherheit: Es ist wie auf dem Beitragsbild, das ich an jenem Tag in Bochum gemacht habe, als mir der Sturz passiert ist. Meine Liebe und die Erinnerungen werden im Laufe der Zeit immer mehr verblassen, doch ganz vergessen werd’ ich diesen einen besonderen Menschen wohl nie.

Ein Nachmittag mit Johnny Cash

Jerry Lee Lewis vs. Johnny Cash. Während des Mittagessens las ich heute einen schönen Beitrag von Stefan Haase, in dem er neben zwei tollen Bildern auch ein Lied von Jerry Lee Lewis postete („That Lucky Old Sun“), bei dem ich als alter Johnny Cash Fan natürlich sofort an seine, schwermütigere Version denken musste.

Woraufhin ich schnellstmöglich die Mini Spaghetti-Orgie beendete, mit den Krücken zum CD-Regal hinüber hüpfte, das entsprechende Album (American III: Solitary Man) heraussuchte und es mit einem genüsslichen „oh yessss, das ist genau das, was ich jetzt brauche“ in den CD Player schob.

(An dieser Stelle sei gesagt: es lohnt sich im Sommer stundenlang in der Küche zu stehen und kiloweise Paradeiser vom Balkon einzukochen. Denn wenn man plötzlich so gehandicapt ist, ist man einmal mehr dankbar für alles, das sich ohne großen Aufwand innerhalb von 10 Minuten zubereiten lässt. :-D)

Der eigentliche Plan für den Nachmittag wäre ja gewesen: endlich sämtliche e-mails beantworten, den Geschirrspüler einschalten, auf den ich gestern Abend zum zweiten Mal vergessen hatte, das aktuelle Buch („Straight White Male“ von John Niven) weiterlesen bzw. die restlichen Blogs, sowie die Bedienungsanleitung meiner D7100 einmal gründlich studieren. Wenn ich sonst schon nichts tun/machen/kann/darf weil ich ja Ruhe geben und viel liegen soll.

Nachdem ich jedoch von Haus aus bei technischen Angelegenheiten eher ein „learning by doing“ Mensch bin und sowohl der Akku vom iPhone als auch vom iPad leer war, weil ich die halbe Nacht wegen des Vollmondes wieder mal nicht schlafen konnte und mir daher mit Musik die Zeit vertrieb (mit mäßigem Erfolg, denn es war kein Lied dabei, das mich irgendwie bewegte, der Mond war vom Balkon aus auch nicht sichtbar, weswegen ich ohne Foto und obendrein ziemlich unrund erst irgendwann gegen 5 Uhr morgens einschlief), und länger als 1h vor dem iMac sitzen momentan noch nicht drin ist, weil der geschwollene Knöchel immer noch zu sehr schmerzt, beschloss ich, auf den ursprünglichen Plan zu pfeifen.

Stellte also den schmutzigen Teller auf die Anderen in der Küche, nahm mir einen neuen Eisbeutel aus dem Tiefkühlfach, warf das „coole Teil“ schwungvoll auf die Couch, humpelte zurück zum CD Regal, suchte mir sämtliche Johnny Cash CDs der American Serie heraus und gesellte mich mit diesen zu meinem CoolPack auf die Couch. Und tat den restlichen Nachmittag bis zum frühen Abend genau NICHTS. Außer: genüsslichst Johnny Cash hören und dabei die unzähligen Grau-Gelb-Nuancen draußen betrachten.

Okay, so ganz bei dem NICHTS tun blieb’s dann doch nicht, denn der gute Mann, der sonst ja eher meine Musik für die Nacht ist, hat natürlich wieder meine Gedanken ins Rollen gebracht, die ich dann auch niederschreiben musste. Genauer gesagt das Album „American IV: The Man Comes Around“, welches ich mir gleich 2x hintereinander anhörte, obwohl ich es fast auswendig kann.

Es ist ein Album, das ich mir schon sehr, sehr lange nicht angehört habe und das mich heute erneut auf eine ganz besondere Art und Weise bewegt hat, da es mich einmal mehr an einen Mann erinnerte, der sehr lange ein Teil meines Lebens war. Ganz besonders das Lied „Hurt“, das mir damals nach der Trennung in vielerlei Hinsicht aus Herz und Seele gesprochen hat. Eine Version, die mich immer mehr berührt hat, als das Original der Nine Inch Nails.

„If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way“

Ja, heute würde ich mit all dem umgehen können, das ich damals nicht ertragen konnte. Und so einiges anders machen. 🙂

I hurt myself today 
To see if I still feel 
I focus on the pain 
The only thing that’s real 
The needle tears a hole
The old familiar sting 
Try to kill it all away 
But I remember everything 

[Chorus:]
What have I become 
My sweetest friend 
Everyone I know goes away 
In the end 
And you could have it all 
My empire of dirt 
I will let you down 
I will make you hurt 

I wear this crown of thorns 
Upon my liar’s chair 
Full of broken thoughts 
I cannot repair 
Beneath the stains of time 
The feelings disappear 
You are someone else 
I am still right here 

[Chorus:]
What have I become 
My sweetest friend 
Everyone I know goes away 
In the end 
And you could have it all 
My empire of dirt 
I will let you down 
I will make you hurt 

If I could start again 
A million miles away 
I would keep myself 
I would find a way
(Quelle: http://www.azlyrics.com/lyrics/johnnycash/hurt.html)