Goodbye Vienna oder das Ende eines Lebensabschnittes

Goodbye Vienna. Nun ist es soweit. Meine Sachen sind fast zur Gänze gepackt und ich schlafe das vorletzte Mal in meiner Wohnung. Das letzte Mal alleine. Und das letzte Mal in „meinem“ Bett. Denn ab morgen ist es „unser“ Bett.

Ich geb’s zu, es war eine harte Woche. Sowohl gesundheitlich als auch seelisch. Es war eine Woche, gespickt mit Abschieden, Tränen und Schmerz. Aber auch mit Lachen, Vorfreude und Dankbarkeit. Eine Woche, die mir einmal mehr gezeigt hat, wie viel Glück ich mit meinen Freunden und meiner Familie habe. Und wie besonders diese Menschen sind. Nicht nur aber vor allem, weil sie immer für mich da sind, wenn ich sie am meisten brauche.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle noch einmal meiner lieben Cousine, meinem Firmkind danken. Die sich trotz Prüfung am nächsten Tag Zeit genommen hat, um mich beim packen der ersten Kisten zu unterstützen. Und die mir damit geholfen hat, den entscheidenden letzten Schritt zu tun. Nämlich, mich von meiner geliebten Wohnung zu verabschieden. Sie loszulassen. Denn auch wenn sie bestehen bleibt und ich jederzeit herkommen kann – sie wird nicht mehr dieselbe sein.

Ja, die Zeit hier war wirklich äußerst schön. Und rückblickend betrachtet, auf meine beiden Balkon-Biodiversitätsprojekte bezogen, auch eine sehr erfolgreiche. Denn ich habe nicht nur massig leckeres Bio-Gemüse geerntet, sondern konnte auch mein Wissen über die Vielfalt der Natur und ihre Nutzung im urbanen Lebensraum entsprechend erweitern. Und habe obendrein eine Menge Saatgut gesammelt, das nächstes Jahr in unserem eigenen Garten zur Anwendung kommen wird. Ein weiterer Traum der in Erfüllung geht.

Zweieinhalb Jahre hatte ich nun jegliche Narrenfreiheit. Musste auf niemanden Rücksicht nehmen. Konnte Dank guter Dämmung bis spät in die Nacht lautstark Musik hören. Und bis vier Uhr morgens im Bett Beiträge schreiben und dabei das Licht eingeschaltet lassen. Durfte das frisch gewaschene Geschirr zwei Tage im Geschirrspüler lassen wenn ich keine Lust hatte, ihn auszuräumen. Oder den Wäscheständer eine Woche lang nicht abräumen. Durfte regelmäßig nach dem putzen, das zweite Waschbecken im Bad als Ablagefläche für den ausgewaschenen Staubsaugerbehälter nutzen und auch den Papierkorb ohne schlechtem Gewissen einmal übergehen lassen. „Weils afoch wurscht is“, wie der Wiener voller Überzeugung so schön sagt. Und das war’s wirklich, denn es war ja mein alleiniges Territorium.

Etwas, das sich nun ab morgen ändern wird. Wenn aus dem „ich“ zum ersten Mal ein echtes „wir“ wird. Der Egoismus verabschiedet und die Zweisamkeit begrüßt wird. Die Luxuswohnung mit Balkon gegen ein gemütliches Nest mit Garten getauscht wird. Und einsames einschlafen durch gemeinsames ersetzt wird.

„Tauschgeschäfte“, die ich wahnsinnig gerne durchführe. Denn sie bedeuten keinen Verlust, sondern den allerhöchsten Gewinn. Nämlich, ein gemeinsames Leben mit dem wundervollsten Menschen an meiner Seite. 🙂

Geschützt: Die Alm, die Zukunft und das nächste Kapitel 

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Lebenstraum oder der Beginn einer Reise

„Man bereut im Leben nicht das, was man gemacht hat, sondern immer nur das, was man nicht gemacht hat.“
– 
unbekannt

Manchmal muss man im Leben einfach stehen bleiben, tief einatmen und wieder einmal bewusst hinhören. Sich umdrehen und im Bedarfsfall alles zurücklassen, um wieder weiterzukommen. 
Weil man sich plötzlich die Frage stellt: wo bin ich? Und ist das, was ich mache eigentlich noch gut für mich?

An genau so einem Punkt im Leben befinde ich mich momentan. Ich bin 28 Jahre alt und lebe seit zwei Jahren in einer Stadt die ich zwar sehr mag, in der ich aber eigentlich nie wohnen wollte. Ich habe mein Umwelt- und Bioressourcenmanagement Studium abgesehen von einigen wirtschaftlichen Prüfungen quasi abgeschlossen und seit 3 Jahren einen guten Job im IT-Bereich. Ich habe großartige Freunde sowie eine tolle Familie und die meisten Menschen beschreiben mich mit den Worten „superschlau“ und „bildhübsch“. Ich sollte also eigentlich ziemlich glücklich und zufrieden sein. Doch ich muss zugeben, ich bin es derzeit nicht.

Denn ich habe einen Job der mich zwar interessiert und in dem ich auch sehr gut bin, doch zugleich ist es auch ein Job, bei dem mir das gewisse Etwas fehlt. Und dieses Etwas heißt Natur.

Schon als Kind hat es mich permanent ins Freie gezogen. Ich wollte alles entdecken. Hab Steine umgedreht um zu sehen, was für Käfer darunter leben. Bin auf Bäume geklettert, um einen andern Blick auf die Dinge und die Menschen unter mir zu bekommen. Hab mir beim Brombeer- und Heidelbeerpflücken im Wald die schönsten lilafarbenen Flecken zugezogen und im Regen auf der Straße Schnecken und Regenwürmer eingesammelt, damit sie ja nicht überfahren werden. Und rund zehn Jahre später, mit ca. 18 Jahren begonnen, meine erste Pflanze aus einem Samen zu ziehen. Eine Sonnenblume. Der Beginn meiner großen Liebe und Leidenschaft für Pflanzen.

Und waren es einst die Sonnenblumen die mein Herz höher schlagen ließen, ist es heute, geprägt durch mein Studium und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Themen wie Biodiversität und Nachhaltigkeit, die Natur in ihrer Gesamtheit. Ihrer Vielfalt. Eine Vielfalt, die ich gerne erhalten und weitergeben möchte, weswegen ich 2013 mein erstes privates Biodiversitätsprojekt gestartet habe. Mit rund 35 verschiedenen Nutzpflanzen auf einem 16m2 großen Balkon. Urban Farming am Rande der Großstadt.

Von Blauen Schweden im Kübel bis zu Waltingers Cocktails im selbst gebauten Lärchenholz-Hochbeet. Von Mühls Minis bis zur süßen Mietze Schindler. Von der gemeinen Brennnessel bis zum heilenden Salbei. Vom Schnittlauch aus Mamas Garten bis zur echten Pfefferminze vom Lieblingsonkel. Von der hübsch blühenden gelben Zucchini bis zur exotischen Marokko Minze. Der dunklen Black Plum bis zur geflammten Tiger Paradeiser. Von Schlangengurke Tanja bis zu den kleinen Vorgebirgstrauben. Sie alle und noch viele mehr waren in den letzten zwei Jahren auf meinem Balkon zuhause.

Das Meiste davon stammte von der Arche Noah, doch es war sogar eine unbekannte Paradeisersorte von einer Reise nach Graz mit dabei. Gekauft, bei einem Selbstbedienungsstand am Straßenrand. Ein kleines aber robustes Jungpflänzchen, an dem ich zuerst vorbeigegangen bin weil ich mir nicht sicher war, ob es den ganzen heißen Frühsommertag im Baumwollsackerl quer durch Graz überleben würde. Doch nach ein paar hundert Metern hielt ich es einfach nicht mehr aus. Hab mich umgedreht und bin zurückgegangen. Weil mich das Pflänzchen einfach so sehr angelacht hat. Die wohl leckersten und langlebigsten 20 Cent meines Lebens. Und die Samen? Die habe ich natürlich bewahrt und aufgehoben.

Und das ist es auch, was ich in Wahrheit beruflich machen möchte. Wofür mein Herz seit Jahren schlägt. Ich möchte Paradeiser und andere Nutzpflanzen züchten und darüber berichten. Ich möchte seltene Sorten erhalten und neue Sorten schaffen, die den zunehmenden Wetterextremen standhalten. Die sich gemeinsam mit mir Jahr für Jahr weiterentwickeln. Bis eine neue, robuste Sorte geschaffen ist. Ohne Gentechnik versteht sich. So wie es der Amerikaner Tom Wagner, der Züchter der „Green Zebra“ seit Jahrzehnten macht. Ich möchte von der Natur lernen, ihre wundervolle Biodiversität erhalten und dies weitergeben. Damit wir nicht nur heute von der Natur profitieren, sondern auch zukünftige Generationen.

Weil es das ist, was ich am besten kann. Was mir am allermeisten Freude bereitet. Mit Pflanzen, mit Menschen und mit Tieren arbeiten. Und, weil die Natur so vielfältig ist, wie ich es bin.
 Neugierig, robust, lebensfroh und optimistisch. 🙂

~

Nach monatelangem hadern, überlegen, vordenken, nachdenken, querdenken, überdenken und gegendenken habe ich mich nun endgültig entschieden, einen Schritt in diese Richtung zu unternehmen. Ein Schritt, den ich bereits seit zwei Jahren tun möchte, doch hat mir lange der Mut gefehlt, die entsprechenden Entscheidungen zu treffen die notwendig sind, damit dieser, für Außenstehende vermutlich etwas seltsam klingende Traum eines Tages auch Wirklichkeit wird. Weil dieser Schritt eine große Veränderung bedeutet, für die ich früher noch nicht bereit war.

Ich habe beschlossen meinen Job in den nächsten Monaten zu kündigen, mein Studium für eine Weile auf Eis zu legen und es zu einem anderen Zeitpunkt zu beenden. Dafür werde ich mir Jobs suchen, in denen ich mehr Erfahrung auf dem Gebiet der biologischen Landwirtschaft, der Pflanzenzucht und der Nutztierwissenschaften sammeln kann. Und ich habe noch eine Entscheidung getroffen. Ich werde Österreich verlassen um auf der ganzen Welt so viel Know How und Input wie möglich zu sammeln. Ich möchte andere Kulturen kennenlernen und auch meine Sprachkenntnisse wieder erweitern.

Es war mit Sicherheit eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens. Nicht nur wegen meiner Familie und meinen zahlreichen Freunden. Menschen, die ich innigst liebe, ja fast schon vergöttere. Die mir in den letzten Monaten so intensiv beigestanden sind. Die sich sogar am anderen Ende der Welt geduldigst mein Gedankenwirrwarr angehört haben und es mit ihrem Input nicht nur einmal beseitigt haben. Menschen, die an meinem alles entscheidenen Tag plötzlich aus dem Nichts wieder aufgetaucht sind. Als hätten sie es gespürt. Menschen, die mich immer wieder aufs Neue ermutigt haben, meinen Traum zu verfolgen. Weil sie gesehen haben was in mir steckt und so sehr an mich glauben. Besonders dann, wenn ich es wieder einmal viel zu wenig getan habe, weil ich wieder einmal viel zu sehr an mir selbst zweifelte. Menschen, denen ich am liebsten einzeln besondere Verdienstorden verleihen würde. Denn die gebühren ihnen wirklich dafür, dass sie immer an meiner Seite sind und mich nie aufgeben. Menschen, die ich mit ganzem Herzen liebe. Die ich leider hier zurücklassen muss und die zugleich trotzdem immer bei mir sein werden.

Und dann war da noch die Sache mit meiner wunderschönen und geliebten Wohnung. Die ich samt „Luxusleben“ zurücklassen muss. Denn eines wurde mir ziemlich schnell klar. Ich werde vermutlich die meiste Zeit auf Kost und Logis arbeiten müssen, denn bezahlte Jobs im Agrarwissenschaftlichen Bereich für die man keine spezielle Ausbildung benötigt sind im Ausland leider genauso rar (oder ich hab sie noch nicht gefunden). Dabei würde ich mich auch mit einem kleinen Taschengeld zufrieden geben, das zumindest meine Krankenversicherung deckt, da ich mich nun auch selbst versichern und muss. Vielleicht nicht auf Dauer nachdem ich ja auch weiterreisen möchte und sicher auch noch andere Kosten auf mich zukommen werden, doch auch solche Angebote werde ich nicht ausschlagen. Ja, ich werde meine Ansprüche ordentlich hinunter schrauben müssen. Aber auch das ist es mir wert.

Zu guter Letzt war da noch die allerschwierigste Entscheidung. Mein Studium. Ich stellte mir nicht nur einmal die Frage, ob es mir das alles wert ist. Ob ich mein Studium denn tatsächlich eines Tages wieder aufgreifen und beenden würde. Ob die jahrelange Doppel- bis Dreifachbelastung umsonst gewesen wäre, wenn ich es nicht tun würde. Ob ich es womöglich eines Tages bereuen würde. Und, ob diese Reise womöglich der größte Fehler meines Lebens ist.

Doch die Antwort lautet nein. Denn hätte ich dieses Studium nie begonnen, hätte ich vielleicht nie herausgefunden, was ich im Leben beruflich wirklich machen möchte. Vielleicht hätte ich auch niemals ein Biodiversitätsprojekt gestartet, da ich erst durch mein Studium so intensiv mit diesem Begriff in Berührung gekommen bin. Und hätte ich dieses Studium nie begonnen, hätte ich heute ganz bestimmt nicht dieses breitgefächerte Fachwissen in den Bereichen Umwelt, Naturschutz, Ökosystemlehre, Wasserwirtschaft, Energie und Nachhaltigkeit.

Nein, diese Reise ist mit Sicherheit nicht der größte Fehler meines Lebens. Schon allein deswegen nicht, weil ich jederzeit umkehren und zurückkehren kann. Wie bei dem Paradeiserpflänzchen. Und ich weiß, ich würde es mehr bereuen hier zu bleiben als jetzt den entscheidenden Schritt zu wagen wo ich noch frei und ungebunden bin.

~

Ich weiß noch nicht genau wo ich meine Reise beginnen werde und wann ich sie beginnen kann. Und ich weiß auch nicht wie lange sie dauern wird. Vielleicht ein paar Wochen, ein paar Monate oder ein paar Jahre. Das werden die Angebote und meine finanziellen Mittel entscheiden. Doch ich weiß eines: diese Reise ist der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Und sie wird mich nicht nur mit Erfahrungen bereichern, sie wird mich auch in meiner persönlichen Entwicklung wieder weiterbringen und damit glücklich machen. 🙂

Song of the day: James Blunt – Shine On

„Shine on. Shine brightest.“ Es gibt Worte und Menschen, die vergisst man nie. Und Lieder, die einen immer wieder aufs Neue daran erinnern.

Am Weg zur Arbeit spuckte mir der iPod heute dieses Lied aus. Fast hätte ich in der U-Bahn deswegen losgeheult. Weil ich seit gestern Abend wieder komplett aufgewühlt bin. Und das nur, weil ich mir das erste Mal seit dem Kinobesuch damals, den Film „eat, pray, love“ nach dem Training angesehen habe (den ich im Vergleich zur englischen bzw. deutschen Version des Buches damals ziemlich schlecht fand).

Doch gestern betrachtete ich den Film aus einer ganz anderen Perspektive und er berührte mich in einer Form, mit der ich definitiv nicht gerechnet habe. Vielleicht, weil er diesmal ganz andere wunde Punkte in mir traf. Weil ich diesmal keinem Mann bzw. hauptsächlich mir selbst verzeihen musste. Nein, diesmal traf er auf die Suchende und ihren Kampf mit der großen Ungewissheit. Auf die vielen Fragezeichen, wie mein Leben beruflich weiter gehen soll. Ob ich diese psychische Belastung in Form der Ungewissheit meiner Stelle bis November durchhalte, oder ob ich vorab eine Entscheidung treffen werde, die vielleicht mein gesamtes Leben verändern könnte. Ob ich mich nun endlich drüber trauen und noch mehr für die Erfüllung meines Traumes tun werde, oder ob mir auch hierfür noch der Mut fehlt. Eine Veränderung, die ich mir einerseits sehnsüchtig wünsche und doch bin ich mir zugleich nicht sicher, ob ich dafür schon bereit bin. Ob ich genügend Selbstbewusstsein habe, alleine einen neuen Weg einzuschlagen und im Bedarfsfall für eine Weile alles hier hinter mir zu lassen. Meine Familie, meine Freunde, mein Studium und meine Wohnung. Um herauszufinden, ob der Weg den ich beruflich einschlagen möchte, wirklich der Richtige ist. Auch wenn ich jederzeit wieder umdrehen könnte. Die Angst, womöglich die falsche Entscheidung zu treffen ist dennoch da. Doch eine Entscheidung muss ich treffen. Für mein Seelenwohl. Denn so kann es nicht mehr lange weitergehen. So viel steht fest. Und ich denke, die kommenden Wochen werden mir den Weg zu dieser Entscheidung weisen.

Danke L., für diese letzten Worte. Sie bedeuten mir auch so viele Jahre später immer noch die Welt. Ich wünschte, ich könnte dir alles erzählen was mich grad so wahnsinnig bewegt. Denn du mit deiner Menschenkenntnis hättest bestimmt ein paar gute Ideen und Tips dazu auf Lager. Zumal du vor einigen Monaten selbst vor einer ähnlichen Entscheidung gestanden bist. Ich hoffe, es geht dir gut. 🙂

Are they calling for our last dance?
I see it in your eyes. In your eyes.
Same old moves for a new romance.
I could use the same old lies, but I’ll sing,

Shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.

And when silence greets my last goodbye,
The words I need are in your eyes, and I’ll sing,

Shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.

So shine on, just, shine on!
Close your eyes and they’ll all be gone.
They can scream and shout that they’ve been sold out,
But it paid for the cloud that we’re dancing on.
So Shine on. Just Shine on!
With your smile just as bright as the sun.
‚Cause they’re all just slaves to the gods they made.
But you and I just shone.
Just shone.
(Quelle: http://www.jamesblunt.com/audio/lyrics.htm?lyric=18&loc=)

Song of the day: Kodaline – All I Want

All I Want. Bei diesem Lied hätte ich vor ein paar Wochen noch zum heulen begonnen. Weil ich mir innigst gewünscht hatte, ihn noch ein einziges, ein letztes Mal zu sehen. Um herauszufinden, ob es nur die Erinnerung war, oder doch mehr. Ob ich mich getäuscht hatte, oder nicht. Und – und das war der eigentliche Hauptgrund – um ihm alles persönlich sagen zu können. Von Angesicht zu Angesicht.

Doch als Kodaline es vorhin als allerletzte Nummer beim Konzert spielten, musste ich lächeln und zugleich ziemlich schmunzeln. Weil ich in dem Moment wusste, dass ich ihn nach 485 Tagen endgültig „losgelassen“ hatte. Wusste, dass ich nun im Schlaf nicht mehr von ihm träumen würde. Nicht mehr hoffen würde, dass er eines Tages spontan vor meiner Türe stehen und so wie damals in mein Leben platzen würde. Und, dass mein Herzschmerz endlich zu Ende war. Da er nun keine Rolle mehr in meinem Leben spielte. 

Ja, unsere Liebe war wohl kein großes Kino. Sondern eher eine Romanze ohne happy end. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so. 🙂

All I want is nothing more

To hear you knocking at my door

‚Cause if I could see your face once more

I could die a happy man I’m sure

When you said your last goodbye

I died a little bit inside

I lay in tears in bed all night

Alone without you by my side

But if you loved me

Why’d you leave me?

Take my body

Take my body

All I want is,

And all I need is

To find somebody.

I’ll find somebody like you.

Oh oh

So you brought out the best of me,

A part of me I’ve never seen.

You took my soul and wiped it clean.

Our love was made for movie screens.

But if you loved me

Why’d you leave me?

Take my body,

Take my body.

All I want is,

And all I need is

To find somebody.

I’ll find somebody.

Oh

If you loved me

Why’d you leave me?

Take my body,

Take my body.

All I want is,

All I need is

To find somebody.

I’ll find somebody like you.

Oh

(Quelle: http://www.azlyrics.com/lyrics/kodaline/alliwant.html)

Schicksalstag oder I will never forget you

“When we least expect it, life sets us a challenge to test our courage and willingness to change; at such a moment, there is no point in pretending that nothing has happened or in saying that we are not yet ready. The challenge will not wait. Life does not look back. A week is more than enough time for us to decide whether or not to accept our destiny.”
– Paulo Coelho, The Devil and Miss Prym

Decisions. Ich hätte die Zeit in meinem zweiwöchigen Krankenstand, für vieles nutzen können. Ich hätte im liegen lernen können. Mir zahlreiche Vorlesungsaufzeichnungen ansehen können. Ich hätte endlich all jene Bücher lesen können, die sich seit Ewigkeiten in meinem Bücherregal auf der „ungelesen“ Seite stapeln. Ich hätte auch die ganze Zeit mit fernsehen oder DVD schauen verbringen können. Oder im Internet auf die Suche nach neuer Musik gehen können. Oder meine Freunde bitten, dass sie mich besuchen kommen.

Doch ich habe kaum etwas davon getan. Stattdessen habe ich etwas anderes, für mich sehr wichtiges gemacht. Ich habe mich um mein Seelenwohl gekümmert.

Vor ca 2 Monaten sind mir eines morgens im Badezimmer zwei Sätze durch den Kopf geschossen, die ich zwar gleich notiert habe, tiefer damit befasst habe ich mich allerdings nicht.

„Man kann Gefühle negieren. Man kann sie auch verdrängen oder unterdrücken.
Man kann sie aber auch einfach zulassen, zu ihnen stehen und das Beste daraus machen, indem man sich mit ihnen auseinandersetzt und sie verarbeitet.“

Und genau das habe ich diesmal getan. Weil ich es endlich konnte. Ich habe alles zugelassen, was hochkommen wollte. Mich mit allem beschäftigt, was noch offen war. Egal aus welchem Jahr, oder aus welchem Lebensabschnitt.

Etwas, das ich in dem Ausmaß schon viel zu lange nicht getan habe, weil mir die Ruhe, die Zeit oder die Energie gefehlt hat. Die ich diesmal hatte. Weil ich das erste Mal seit Monaten wieder komplett mit mir im reinen bin. Keine Leere mehr in mir habe, sondern mich wieder so richtig spüre. Stolz bin auf die Entscheidungen, die ich in den vergangenen Wochen getroffen habe. Und dankbar für all die Erfahrungen.

Was ich nicht zuletzt Bochum und den Menschen, mit denen ich dort unterwegs war, zu verdanken habe. Unglaublich liebe Menschen, die sehr viel in mir bewegt und wachgerüttelt haben. 🙂

Ich glaube ja an Schicksal. Und daran, dass alles im Leben irgendeinen Sinn ergibt. Für irgendetwas gut ist. Auch wenn man nicht gleich weiß wofür.
Manch einer würde vielleicht sagen: „Dumm gelaufen. Der Sturz ist dir sicher passiert, weil du nicht gscheit aufgepasst hast“. Ich sage: „Ja, ich habe womöglich nicht gscheit aufgepasst, doch der Sturz passierte mir nicht an „irgendeiner“ Stelle.“

Denn er passierte genau in dem Moment, wo ich einen Schritt hinunter gehen wollte und zugleich nach links blickte. Um mir diesen Anker an der Wand noch einmal anzusehen, der mich bereits beim Hinaufgehen so fasziniert hatte. Denn ich liebe diese Dinger einfach. Seit ich denken kann. Und mittlerweile glaube ich sogar zu wissen warum (aber das ist eine andere Geschichte). Also vielleicht wollten mir der Anker und der Sturz genau das sagen:

„Schau endlich wieder auf dich. Auf dein Herz und deine Seele. Denn sie sind dein Anker.“

Ja, ich habe zwar vieles in den vergangenen Wochen geklärt, meine eigenen Gefühle aber großteils weiterhin verdrängt und negiert. Bis zu diesem einen Tag.

Alles begann damit, dass ich irgendwann mit den Krücken vor meinem Bücherregal stand und dieses schöne graue Notizbuch entdeckte, das mir eine liebe Freundin zu einem Geburtstag geschenkt hatte. Das ich mir für besondere Texte aufgehoben hatte. Und da ich eine Pause vom vielen herumliegen brauchte, klemmte ich es unter den linken Arm, humpelte ins Schlafzimmer, kramte aus der großen weißen Holztruhe das Kalligraphiefederset hervor, klemmte dies unter den rechten Arm und humpelte damit zum Küchentisch. Und dann begann ich, sämtliche Texte, die ich unter „thoughts & memories“ veröffentlicht hatte, fein säuberlich in dieses Notizbuch zu übertragen. Etwas, das ich schon sehr lange tun wollte und wofür mir ebenfalls die Zeit und die innerliche Ruhe gefehlt haben.

Als ich mir die Texte am iPad noch einmal durchlas bemerkte ich schon, wie sich etwas in mir veränderte. Dass ich mich unweigerlich wieder mit den Texten auseinandersetzte. Weil sie mich erinnerten. Wie Lieder es sonst oft tun. Was klar war, denn es waren ja auch meine Worte. Doch die Tränen kamen mir erst in dem Moment als ich begann, diesen Text abzuschreiben:

„Carry Your Smile (Always With You)“

Ein Text, an dem ich fast ein Jahr lang geschrieben habe. Aber nicht weil die englische Sprache für mich eine große Barriere darstellt, im Gegenteil. Gelegentlich fällt es mir sogar leichter in dieser Sprache zu sprechen als in meiner eigenen Muttersprache.

Ich habe deswegen so lange daran geschrieben, weil er mir so unglaublich viel bedeutet. Weil ich über jedes Wort gefühlte hundert Mal nachgedacht habe. Sie zerlegt habe, in ihre einzelnen Buchstaben. Um sie so lange entsprechend anzuordnen, bis ich endlich mit der Aussage zufrieden war. Und das nur, weil mir die Worte so sehr am Herzen liegen wie der Mensch, um den es in diesem Text geht. Der Ende 2013, in ein paar Tagen mehr in mir ausgelöst und bewegt hat, als so mancher Mann über Jahre zuvor. Der mein Seelenverwandter ist. Vielleicht sogar die Liebe meines Lebens? Eine Frage, die ich wohl erst am Ende mit Sicherheit beantworten kann.

Ich habe versucht, ihn mit diesem Text Stück für Stück loszulassen, da er zum damaligen Zeitpunkt mit einer anderen Frau sehr glücklich war und es vermutlich immer noch ist. Und so sehr ich mich auch für ihn gefreut habe, der Schmerz, dass sie es an meiner Stelle ist, war auch nach über einem Jahr immer noch zu groß. Weswegen ich mich damit in der Nacht vor meinem Geburtstag mehr oder weniger von ihm „verabschiedet“ und ihn aus meinem Leben „verbannt“ habe.

Weil ich einen Schlussstrich ziehen wollte und mit dem Beginn des neuen Lebensjahres, auch auf einen Neubeginn hoffte. Hoffte, dass es für mich damit endgültig getan sein würde. Dass dann nicht nur die Bilder und die Erinnerungen in meinem Kopf verschwinden würden, sondern auch meine Gefühle für ihn.

Doch ich hätte es wissen müssen. Dass alles eines Tages noch einmal hochkommen würde, da ich unsere Geschichte trotz dieses Textes nie zur Gänze verarbeitet habe. Ihn auch damit nicht komplett gehen lassen konnte. Vielleicht weil für mich noch zu viele Fragen offen sind. Die vielleicht völlig naiv und absurd klingen, wenn man uns und unsere Geschichte nicht kennt. Die für mich jedoch trotzdem von sehr hoher Bedeutung sind.

„- Wieso will das Schicksal, dass sich zwei Menschen kennenlernen, die sich in ihrem Denken, in ihren Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen, in ihren Hobbys, in ihrem Tun und Handeln, so unfassbar ähnlich sind… die sich sogar ohne Absprache dasselbe Bett kaufen, um ein Beispiel zu nennen… wieso führt das Schicksal solche Menschen zusammen, wenn sie dann doch nicht zusammenkommen? Wo liegt darin der Sinn?
– Warum waren es wirklich nur 99% und nicht 100%?
– Gibt es überhaupt 100%? Besteht nicht immer ein Restrisiko? Dass es trotz 100% womöglich nicht dauerhaft funktioniert? 
– Sind nicht die 1% Unterschied vielleicht sogar die 1%, warum es funktionieren könnte?
– Weil 99% eben nicht 100% sind, wir alle keine Götter sind und niemand perfekt ist? Und das nicht-perfekte in Wahrheit vielleicht sogar perfekt ist?

– Waren seine Gefühle für mich damals wirklich nicht groß genug, oder fehlte ihm womöglich einfach nur der Mut?
– Oder war es in vielerlei Hinsicht einfach nur der denkbar schlechteste Zeitpunkt? Mein Pech, dass ich zu einem Zeitpunkt in sein Leben getreten bin, wo er noch zu viel Chaos um sich hatte? Obwohl er es ja war, der den Anstoß zu allem gab?
– War er vielleicht damals einfach noch nicht bereit? Warum aber dann für eine Andere?
– Oder war es vielleicht sogar mein Glück dass es damals nicht funktioniert hat, weil es ebenfalls nicht von Dauer gewesen wäre? Weil wir uns in Wahrheit erst beide selbst wiederfinden mussten?
– Weil wir vielleicht doch für einander bestimmt sind, sofern es so etwas gibt? Nur einfach nicht momentan?
– Oder hat es einfach nicht sein sollen, weil ich eines Tages jemanden kennenlernen werde, dem ich noch viel näher sein werde? Der mich noch mehr berühren wird?“

Fragen, auf die ich vermutlich nie eine Antwort bekommen werde. Die mir hoffentlich eines Tages auch nicht mehr wichtig sein werden. So wie vielleicht er. Denn er hätte das Blatt zu jeder Zeit wenden können.

Ich könnte jetzt einen neuerlichen Versuch wagen und es einfach gut sein lassen. Versuchen, ihn zu vergessen und die ganze Sache abhaken. Weil ich die Situation zwischen uns nicht ändern kann. Das kann nur er oder das Schicksal.

Doch ich kann meine Situation ändern, indem ich zu meinen Gefühlen stehe, sie diesmal nicht negiere und verdränge, sondern mich mit ihnen auseinandersetze und damit hoffentlich verarbeite.

Ich weiß noch nicht wohin mich all dies hier führen wird. Vielleicht zu neuen Orten, neuen Abenteuern, neuen Fotos, neuen Menschen, neuen Gefühlen, neuen Texten oder zu neuen Liedern. Vielleicht zu allem. Vielleicht auch zu nichts davon.

Doch ich weiß eines mit Sicherheit: Es ist wie auf dem Beitragsbild, das ich an jenem Tag in Bochum gemacht habe, als mir der Sturz passiert ist. Meine Liebe und die Erinnerungen werden im Laufe der Zeit immer mehr verblassen, doch ganz vergessen werd’ ich diesen einen besonderen Menschen wohl nie.

Carry Your Smile (Always With You)

You came all of a sudden
just like a hurricane into my life
And within less than one week
you made my flesh completely creep

“In the future – for better or for worse
Please let me hug and squeeze you”
Those were just some of your words

“And whatever the future may hold
Please never let me go
Please let me keep you in my life”
In this night we promised to be forever, twice

~

Gorgeous, open-hearted, lovable
Extraordinary and very special
Sentimentalists to the core
I’ve never felt so much loved
Needed and belonged before

We were 99%
Nearly perfect
We both know this is true
So please, carry your smile (always with you)

~

It wasn’t meant to last
‚cause you fell in love with another one
I should have lost my control
and fallen straight to the ground
With my heart broken into pieces
again a painful wound

At this stage it didn’t happen
‚cause I really wanted to stay
Yes I thought we’re fated
to belong in another way

You fell in love again the other day
Sorry my dear,
this time I really can’t stay
So I’ll finish these lyrics and then go away

~

Gorgeous, open-hearted, lovable
Extraordinary and very special
Sentimentalists to the core
No one ever told me the truth
as straight-lined as you did
in this night once more

We were 99%
Nearly perfect
We both know this is true
So please, carry your smile (always with you)

~

Talking to you was always talking to my reflection
From the very beginning
you and me
we had this very special connection

You gave me back the missing spark of confidence
which got lost ages ago
Just like a missing sound with lyrics
That I’ll forever get to know

You believed in me as much as I did in you
And within a few days,
you understood me more
than anyone else could before

Always wanted me to remain
My dear,
I really want you to stay the same

~

Gorgeous, open-hearted, lovable
Extraordinary and very special
Sentimentalists to the core
We’re both so addicted to music
which fulfills our souls even more

We were 99%
Nearly perfect
We both know this is true
So please, carry your smile (always with you)

~

I always hoped that one day
we’ll both be free
and sit in the glooming evening sun,
down under a beautiful willow tree.

Old, happy and full of wrinkles,
grateful that once
in our early years
we could finally allay all our fears

With our grandchildren we remember the „good old days“,
our whole life,
a long beautiful soundtrack
with many intensive and different ways

~

Gorgeous, open-hearted, lovable
Extraordinary and very special
Sentimentalists to the core
I would have given up quite everything
just to be closed to you once more

We were 99%
Nearly perfect
We both know this is true
Maybe it was just the 1% matter of time
That we will never get to know

Gorgeous, open-hearted, lovable
Extraordinary and very special
Sentimentalists to the core
My dear, you’re more than just a good friend,
you’re my one and truly soul mate
My love
My home
Maybe until the end

We could have been 100%
Perfect
We both know this is true
So please, carry your smile
‚cause despite the fact that I’m leaving
inside I’m always with you

© Eleni Anthea, Vienna, Spring & Autumn 2014