Ein Nachmittag mit Johnny Cash

Jerry Lee Lewis vs. Johnny Cash. Während des Mittagessens las ich heute einen schönen Beitrag von Stefan Haase, in dem er neben zwei tollen Bildern auch ein Lied von Jerry Lee Lewis postete („That Lucky Old Sun“), bei dem ich als alter Johnny Cash Fan natürlich sofort an seine, schwermütigere Version denken musste.

Woraufhin ich schnellstmöglich die Mini Spaghetti-Orgie beendete, mit den Krücken zum CD-Regal hinüber hüpfte, das entsprechende Album (American III: Solitary Man) heraussuchte und es mit einem genüsslichen „oh yessss, das ist genau das, was ich jetzt brauche“ in den CD Player schob.

(An dieser Stelle sei gesagt: es lohnt sich im Sommer stundenlang in der Küche zu stehen und kiloweise Paradeiser vom Balkon einzukochen. Denn wenn man plötzlich so gehandicapt ist, ist man einmal mehr dankbar für alles, das sich ohne großen Aufwand innerhalb von 10 Minuten zubereiten lässt. :-D)

Der eigentliche Plan für den Nachmittag wäre ja gewesen: endlich sämtliche e-mails beantworten, den Geschirrspüler einschalten, auf den ich gestern Abend zum zweiten Mal vergessen hatte, das aktuelle Buch („Straight White Male“ von John Niven) weiterlesen bzw. die restlichen Blogs, sowie die Bedienungsanleitung meiner D7100 einmal gründlich studieren. Wenn ich sonst schon nichts tun/machen/kann/darf weil ich ja Ruhe geben und viel liegen soll.

Nachdem ich jedoch von Haus aus bei technischen Angelegenheiten eher ein „learning by doing“ Mensch bin und sowohl der Akku vom iPhone als auch vom iPad leer war, weil ich die halbe Nacht wegen des Vollmondes wieder mal nicht schlafen konnte und mir daher mit Musik die Zeit vertrieb (mit mäßigem Erfolg, denn es war kein Lied dabei, das mich irgendwie bewegte, der Mond war vom Balkon aus auch nicht sichtbar, weswegen ich ohne Foto und obendrein ziemlich unrund erst irgendwann gegen 5 Uhr morgens einschlief), und länger als 1h vor dem iMac sitzen momentan noch nicht drin ist, weil der geschwollene Knöchel immer noch zu sehr schmerzt, beschloss ich, auf den ursprünglichen Plan zu pfeifen.

Stellte also den schmutzigen Teller auf die Anderen in der Küche, nahm mir einen neuen Eisbeutel aus dem Tiefkühlfach, warf das „coole Teil“ schwungvoll auf die Couch, humpelte zurück zum CD Regal, suchte mir sämtliche Johnny Cash CDs der American Serie heraus und gesellte mich mit diesen zu meinem CoolPack auf die Couch. Und tat den restlichen Nachmittag bis zum frühen Abend genau NICHTS. Außer: genüsslichst Johnny Cash hören und dabei die unzähligen Grau-Gelb-Nuancen draußen betrachten.

Okay, so ganz bei dem NICHTS tun blieb’s dann doch nicht, denn der gute Mann, der sonst ja eher meine Musik für die Nacht ist, hat natürlich wieder meine Gedanken ins Rollen gebracht, die ich dann auch niederschreiben musste. Genauer gesagt das Album „American IV: The Man Comes Around“, welches ich mir gleich 2x hintereinander anhörte, obwohl ich es fast auswendig kann.

Es ist ein Album, das ich mir schon sehr, sehr lange nicht angehört habe und das mich heute erneut auf eine ganz besondere Art und Weise bewegt hat, da es mich einmal mehr an einen Mann erinnerte, der sehr lange ein Teil meines Lebens war. Ganz besonders das Lied „Hurt“, das mir damals nach der Trennung in vielerlei Hinsicht aus Herz und Seele gesprochen hat. Eine Version, die mich immer mehr berührt hat, als das Original der Nine Inch Nails.

„If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way“

Ja, heute würde ich mit all dem umgehen können, das ich damals nicht ertragen konnte. Und so einiges anders machen. 🙂

I hurt myself today 
To see if I still feel 
I focus on the pain 
The only thing that’s real 
The needle tears a hole
The old familiar sting 
Try to kill it all away 
But I remember everything 

[Chorus:]
What have I become 
My sweetest friend 
Everyone I know goes away 
In the end 
And you could have it all 
My empire of dirt 
I will let you down 
I will make you hurt 

I wear this crown of thorns 
Upon my liar’s chair 
Full of broken thoughts 
I cannot repair 
Beneath the stains of time 
The feelings disappear 
You are someone else 
I am still right here 

[Chorus:]
What have I become 
My sweetest friend 
Everyone I know goes away 
In the end 
And you could have it all 
My empire of dirt 
I will let you down 
I will make you hurt 

If I could start again 
A million miles away 
I would keep myself 
I would find a way
(Quelle: http://www.azlyrics.com/lyrics/johnnycash/hurt.html)

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11 Gedanken zu „Ein Nachmittag mit Johnny Cash

  1. Danke lieber Oliver! Auch für den Hinweis 🙂
    Ich hatte es zuerst eingebettet, habe dies nun gelöscht und nur den Link hineingegeben. Liest man den Beitrag via Safari funktioniert es offensichtlich auch, nur mit der WordPress-App kann/darf es nicht wiedergegeben werden. Sehr schräg…
    Hier der Link zum Blog:
    https://thesunflowerunderthewillowtree.wordpress.com/2015/02/06/ein-nachmittag-mit-johnny-cash/
    Viele liebe Grüße,
    Eleni

  2. Dankeschön für die Erwähnung, Eleni. Das ist eine gute Gelegenheit wieder die American Recordings zu hören, wobei bei „Hurt“ das Original anders aber auch gut ist. Doch mit seiner brüchigen Stimme bekommt das Lied eine besondere schöne melancholische Stimmung.
    Liebe Grüße
    Stefan

    • Ich danke dir! Und kann dir nur zustimmen. Das Original ist ebenfalls absolut genial. Hab’s mir soeben mal wieder richtig bewusst angehört und bin zu dem Entschluss gekommen, dass man die beiden Versionen eigentlich gar nicht vergleichen darf. Album und Liveversion sowieso nicht (wobei ich’s ja bissl schad‘ find‘, dass sie am Ende der „Hurt – Live Beside You In Time Explicit“ Version nochmal so fett reingehauen haben, anstatt das Lied ruhig ausklingen zu lassen 😉).
      Und man sollte sie auch deswegen nicht vergleichen, weil die beiden Sänger sooo unterschiedlich an diese Nummern herangegangen sind. Verglichen jetzt mit „one“. Da lehnt sich die Johnny Cash Version ja doch bissl mehr an die von U2 an (die aus dem ’91er Jahr und nicht die aus dem Jahr 2006 gemeinsam mit Mary J. Blige) wenn du jetzt weißt was ich meine. Kann das um 3:15 morgens nicht besser erklären, sorry. 😁

      • Rick Rubin soll seiner Zeit einen Katalog mit Songs mitgebracht haben und zu Johnny Cash einfach gesagt haben: das sind deine Songs. Viele Songs davon kannte Cash im Original überhaupt nicht und hörte sie sich erst an bevor er sie im Studio aufnahm. Darum sind vielleicht beide Version auch so unterschiedlich und nicht vergleichbar. Cash seine Version geht mehr unter die Haut, durch seine einzigartige Art den Text mit der Musik verschmelzen zu lassen und machte nach der Veröffentlichung auch das Original wieder bekannter.
        Mit „One“ hast Du Recht. Ich mag besonders dann Cover Versionen, wenn sie wie bei „Hurt“ dem Original etwas neues, eine andere Farbe abgewinnen. Das hast Du sehr gut erklärt.
        Genieße das Wochenende

      • Ich weiß ja so einiges über Rick Rubin, aber das ist mir neu. Danke für die Info! 🙂
        Und das stimmt, durch Cover Versionen werden die Originale gerne wieder in Erinnerung gerufen. Wobei die Cover Version nicht selten die erfolgreichere Version ist (weil sie meistens einen Tick mehr mainstream bzw. „zeitgemäßer“ ist).
        Ich seh schon, ich könnt‘ mich da noch Stunden mit dir über das Thema unterhalten (zumal ich diese Cover-Original-Vergleiche unheimlich spannend finde), aber ich lass‘ es jetzt mal gut sein. 😀
        Und danke Stefan, dir auch ein schönes, gemütliches Wochenende! 🙂

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