Die Frage der Erwartungen oder die ewige Suche nach den Prioritäten

Leere. Es ist wieder einmal fast zwei Uhr morgens und eigentlich schreibe ich schon seit dem Nachmittag mit einer längeren Unterbrechung an diesem Beitrag.

Begonnen hat alles kurz nach der Ankunft des jungen, verliebten Studenten-Pärchens. Die Nachmieter der Wohnung meiner besten Freundin. Und während die Drei in der Küche über die Wohnung, die Möbel, Familienbeihilfe usw. plauderten, saß ich im Wohnzimmer mit dem iPad auf der Couch und merkte plötzlich, wie sie wieder in mir hoch kroch. Ganz langsam und schleichend. Diese scheußliche Leere.

Obwohl ich drei fantastische Tage hatte. Unheimlich viel gelacht habe. Vor allem gestern Abend, wo wir zuerst zu Dritt zuhause angestoßen haben, bevor wir gegen Mitternacht tanzen gegangen sind. Es war wirklich ein sehr lustiger Abend (wo ich erneut festgestellt habe, dass zwischen Wien und Innsbruck Welten liegen).

Einmal mehr merke ich, wie weit ich noch davon entfernt bin, wieder ganz „ich“ zu sein. Davon, mich wieder richtig zu spüren. Obwohl die vielen Gespräche mit D. in den letzten Tagen sehr viel Gutes bewirkt haben. Viel in mir wachgerüttelt haben. Mich zum Nachdenken angeregt haben. Obwohl ich das ja ohnehin fast permanent tue. Es war kein klassisches Grübeln über eine Sache oder Situation, sondern viel mehr ein in mich gehen und hinterfragen. Ein Reflektieren meiner selbst. Meiner Wünsche und Bedürfnisse. Was ich will und was ich nicht will. Wo ich stehe und wo ich hin will. Was ich loslassen und was ich behalten möchte. Ein Auffrischen und Neuordnen. Ein ja und ein nein. Von Egoismus bis Kompromissbereitschaft. Die ganze Bandbreite. Bis hin zu der Frage nach den Prioritäten und dem selbst gemachten inneren Druck.

Seit Monaten, genaugenommen seit dem Ende meines Sommerurlaubs fahre ich nun mit Vollgas auf der Überholspur. Gebe 200%. Im Studium, Privat und vor allem in meinen beiden Jobs (das kleine Nebenprojekt hätte ja ursprünglich nur 1 Monat dauern sollen und nicht ein halbes Jahr. So viel zum Thema IT-Projekte und wie sehr diese auf Grund einer Systemumstellung ausufern können). Seit Wochen merke ich, dass ich am absoluten Limit lebe und viel zu wenig schlafe. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, war mir zwar bewusst, doch ich habe es geflissentlich ignoriert. Genauso wie die ersten Anzeichen, bei denen eigentlich meine Alarmglocken hätten läuten müssen. Die mir nämlich ebenfalls gesagt hätten:

„Eleni, stop! Gönn dir mal eine Pause. Hör auf dich permanent selbst zu stressen. Dir selbst so viel Druck zu machen. In jeglicher Hinsicht. Überdenke einmal wieder deine Prioritäten!“

Doch Alarmglocken kann man leicht ignorieren. Die beste Freundin, die einem nach einer gemeinsamen durchzechten Nacht beim Mittagsbrunch gegenüber sitzt und einem (wieder einmal) gehörig den Kopf „wäscht“, zum Glück nicht (habe ich schon einmal erwähnt wie sehr ich meine Freunde dafür liebe, dass sie in meinem Leben sind und mich immer wieder auf den Boden der Realität zurückholen? Egal ob von Oben oder Unten).

Ich kann zwar momentan weder meine Jobs sausen lassen, noch möchte ich mein Studium hinschmeißen. Was ich aber kann und wirklich dringend muss ist, die Sache mit dem inneren Druck in den Griff bekommen. Eingesehen, dass 200% genau 100% zu viel sind habe ich ja. Jetzt muss ich es nur noch umsetzen.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Männerwelt. Da komme ich ja auch nicht wirklich zur Ruhe. Denn egal wie ich es drehe und wende. Ich gelange immer wieder zu ein und demselben Ergebnis. Ich bin einfach noch nicht bereit. Mich auf jemand Neuen einzulassen. Mich überhaupt auf jemanden einzulassen. So gern ich es würde und mich innerlich auch danach sehne, einen Menschen an meiner Seite zu haben, bei dem ich mich auch einmal fallen lassen darf und kann.
Aber zugleich verursacht allein der Gedanke, wieder ernsthaft mit einem Menschen zusammen zu sein, so eine gewaltige Panik in mir, dass sich alles in mir verkrampft und mir fast schlecht wird. Was einerseits daran liegt, dass ich einfach kaum Zeit für mich habe. Zeit, Dinge zutun, die mir Spaß machen. Die mich glücklich und zufrieden machen. Freunde zu treffen oder Sport zum Beispiel.

Ich weiß, dass es vielleicht bescheuert klingt und für viele vermutlich auch nicht nachvollziehbar ist, doch an jedem Tag an dem ich keinen Sport machen kann, oder keine Bewegung an der frischen Luft, leide ich wie ein Hund. Ich war immer schon ein Mensch, der zu viel Energie hatte. Der als Kind von A nach B gerannt ist, und nach einem ganzen Tag am Spielplatz immer noch nicht komplett ausgepowert war (man kann tatsächlich dem Universum und den Planetenkonstellationen in meinem Geburtsmoment die „Schuld“ dafür geben, denn was man in dieser Hinsicht an Energie bekommen kann, habe ich eindeutig mitbekommen. Etwas, wofür ich zugegeben auch ziemlich dankbar bin, denn sonst würde ich der nun seit fast 5 Jahren andauernden Doppelt- bis Dreifachbelastung wohl nicht so zäh standhalten, sondern hätte wie viele Andere auch, mein Studium schon längst abgebrochen). Die Energie ist zwar zwischenzeitlich in meinen Entwicklungsjahren auf Grund vieler Umstände eingerostet gewesen, doch nach einer Altlastensanierung seit einigen Jahren wieder voll da. Und je fitter ich werde, desto stärker bricht sie hervor. Was ich auch gestern Nachmittag bei meinem Lauf durch Innsbruck deutlich gemerkt habe. Obwohl mir der massive Schlafmangel der letzten Wochen – vor allem der vom vergangenen Wochenende – noch enorm nachhängt:
Sport geht trotzdem fast immer. Und nach dem einstündigen 8,5km Lauf gestern, war auch das intensive Tanzen bis in die Morgenstunden kein Problem.

Andererseits liegt es sicherlich auch daran, dass der für mich passende Mensch und ich uns noch nicht gefunden haben (wobei es zugegeben in den letzten Monaten an Männern, die plötzlich aufgetaucht sind und ihr Interesse an mir bekundet haben, ja nun wirklich nicht gemangelt hat. Was sehr dazu beigetragen hat, dass ich nie wirklich zur Ruhe gekommen bin). Der Mensch, bei dem ich keine Kompromisse eingehen muss und mich bei dem bisschen Freizeit, das mir momentan noch bleibt, nicht zwischen Sport, Freunden und Beziehung entscheiden muss, weil wir dieselben Interessen, Wünsche und Vorstellungen haben. Dieselben Träume und Bedürfnisse.
Dieser Mensch, wo es einfach passt, der war nunmal nicht dabei. Weswegen ich nun auch eine Entscheidung treffen muss, die mir momentan alles andere als leicht erscheint.
Und ja ich gebs zu. Ich habe meine Ideale, hohe Erwartungen, die ich vielleicht reduzieren sollte, und bin schon alleine wegen meiner tausend Gedanken sicherlich auch kein einfacher Mensch. Aber wer hat die nicht bzw. wer oder was ist schon einfach?

Gestern wurde mir dann im Zuge eines uralt-Trinkspiels auch die Frage gestellt, ob ich denn schon ehrlich über den T. hinweg sei. Als ich dann meinte „ich weiß es nicht“, wollten das die Beiden natürlich nicht als Antwort gelten lassen. Weil ein „vielleicht“ ja bekanntlich kein ja oder nein ist. Doch es war die Wahrheit. Ich weiß es wirklich nicht. Woraufhin die Frage aufgetaucht ist, was ich tun würde, wenn er plötzlich heute Nachmittag am Flughafen stehen und auf mich warten würde. Weil er den Songtext gelesen hat, und dieser seine gesamte Gefühlswelt genauso ins Wanken gebracht hat, wie er damals meine (was pure Rosamunde Pilcher happy peppy Filmillusion ist und ca. so realistisch wie ein Sechser im Lotto).
Ich gebe zu, dass ich das durchaus schön fände. Weil er einerseits der Mensch war, für den ich bereit gewesen wäre, meine traumhaft schöne Wohnung und die Nähe zu meiner Familie und meinen Freunden aufzugeben, um mit ihm und seinen beiden Kindern in einem winzigen Ort im tiefsten Waldviertel zu leben. Und weil ich mir immer gewünscht habe, wir würden uns noch ein letztes Mal sehen. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich 3. Oder so…
Andererseits bin ich froh, dass dies nicht passieren wird, da ich diesen Menschen nun endgültig gehen lassen möchte. Wie so manch anderen Menschen in den vergangenen Jahren. Weil mich diese Einseitigkeit sonst wieder kaputt machen würde. Und darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Und weil man etwas Neues erst beginnen kann, wenn das Alte abgeschlossen ist.

Also mit Sicherheit ein weiterer Grund, warum ich mich, neben der Tatsache, dass ich durch die enorme geistige Anstrengung, gepaart mit dem selbst auferlegten Druck bezüglich Beruf und Studium, der die vergangenen Monate mein Leben dominiert hat, ziemlich ausgelaugt und obendrein auch noch leer, emotional ausgepowert und leicht „verkorkst“ fühle. Und auch wenn es diesmal keine Baustellen sind, wie sie es vor rund einem halben Jahr waren. Es war einfach in Summe viel zu viel.

Fazit: Prioritätenproblem erkannt und hoffentlich auf dem Weg der Besserung. 🙂

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