Wildsau Dirt Run 2014 oder „go Gatsch or go home!“

Wien, 04. & 05. Oktober 2014

Leidenschaft. Als ich vor 3 Jahren mit meiner lieben Freundin K. das erste Mal beim Wildsau Dirt Run antrat, ahnte ich noch nicht dass Gatsch, Dreck, spektakuläre Hindernisse, herausfordernde Geröll-Gräben und wahnsinnig steile sowie rutschige Bergetappen eines Tages meine Leidenschaft werden würden.

Denn 2012 entpuppte sich der Hindernisparcours zwar als absolut „easy cheasy“, doch bereits nach den 1,5km der 1. Laufrunde (eine Runde war ca. 5km) fragte ich mich ernsthaft, welcher Teufel mich da geritten haben musste, dass ich mich zu so etwas mörderisch anstrengendem angemeldet hatte (und das obwohl ich damals bereits regelmäßig Kraft- und Ausdauer trainierte).
Ehrlich, ich hätte am liebsten auf der Stelle wieder umgedreht und mich disqualifizieren lassen, doch mein stark ausgeprägter, sportlicher Kampfgeist war maximalst dagegen. Also verfluchte ich mich und meine Entscheidung bei dem Irrsinn mitzumachen, meine Kämpfernatur die ein Aufgeben unmöglich machte, den Veranstalter für die im wahrsten Sinne des Wortes „saublöde“ Strecke und vermutlich auch das gesamte Universum. Wobei halt, nein, das Universum bestimmt nicht weil das Wetter absolut auf unserer Seite war. Den Rest verfluchte ich aber definitiv.

Vor allem den sogenannten „Arschberg“ (AdR: er heißt angeblich wirklich so), den es 2x zu bezwingen galt und bei dem ich auf der 2. Runde wegen der Anstrengung und Unterzuckerung fast kollabiert wäre. Ich weiß noch gut wie ich zu K. meinte „erzähl mir bitte was. Egal was, aber lenk mich ab sonst kipp ich dir gleich weg. Oben sind eh die Sanitäter und Wasser aber ich hab echt keine Lust so kurz vor dem Ziel hier umzufallen.“ (sie hatte nämlich von Haus aus die bessere Grundkondition, da sie es im Gegensatz zu mir von Kindestagen an gewohnt war, regelmäßig auf Almen hinauf zuwandern.)
Sie schaffte es natürlich mich entsprechend abzulenken, wodurch wir sicher und heil bei der letzten Labstation vor dem Ziel ankamen. Nach einer kurzen Stärkung mit Tee und Mannerschnitten ging es nur noch bergab und ein letztes Mal durch den Hindernisparcours, den wir gerade noch rechtzeitig erreichten um nicht disqualifiziert zu werden (ich weiß noch wie ich von einem der letzten Hindernisse aus zu meinem Kumpel G. hinunterbrüllte, er möge dem Initiatior mittleilen, uns ja nicht zu disqualifizieren weil wir eh gleich durch sind. Was ich nicht sah war, dass besagter fast daneben stand und sich zwecks meiner Aussage vor Lachen den Bauch hielt. Das wurde mir erst später mitgeteilt.;-) ).

Und als wir dann nach 3 Hindernis- und 2 Laufrunden und weit über 4 lustigen sowie qualvollen Stunden gemeinsam die Ziellinie überquerten, brach ich vor Erleichterung und völliger Erschöpfung in Tränen aus. „Ich habs geschafft. Ich habs wirklich geschafft. Ich bin eine der wenigen Frauen aus über 1100 Teilnehmern die es geschafft hat.“ Das war alles was ich denken konnte als K. und ich uns in die Arme fielen. Ein Moment, den ich mein gesamtes Leben lang nicht mehr vergessen werde.

So wie diesen ersten Extremwettbewerb, bei dem ich das erste Mal wirklich gezwungen war, weit über meine sportlichen Grenzen hinauszugehen. Wo ich feststellte, wozu der menschliche Körper in der Lage ist, wenn es wirklich hart auf hart kommt. Und was Motivation, Kampfgeist, Siegeswillen und Teamgeist im Sport wirklich bedeuten.

Und man sollte meinen, so etwas tut man sich nur einmal im Leben an. Doch verrückt und durchgeknallt wie ich nunmal bin konnte ich es bei dem einen Antritt natürlich nicht belassen und trat 2013 erneut an. Diesmal mit meinem lieben Kumpel G., der nun auch zur Wildsau werden wollte. Und diesmal mit einer noch besseren Trainingsvorbereitung in Form von Wanderungen sowie noch häufigeren Laufrunden. Und noch etwas habe ich aus der Erschöpfungsgeschichte vom ersten Jahr gelernt: Trinke bei jeder Labstation so viel wie möglich und „stopf“ dir an Bananen, Traubenzucker und Mannerschnitten hinein was nur geht. Bei einem Kilokalorienverbrauch von über 3000 bei 3h brauchst du das, sonst bist du wieder unterzuckert.
Etwas, das sich in Kombination mit dem besseren Training als superschlaue Sache herausstellen sollte, denn in einer Zeit von weniger als 4h überquerten wir gemeinsam das Ziel. Ich verbesserte mich um über 45 Minuten bei ein und derselben Strecke und fast denselben Hindernissen und war nicht annähernd so „fertig mit der Welt“ geschweige denn unterzuckert wie im Jahr davor. Aber dennoch nicht minder stolz auf mich. 😉

Und ehrlich gesagt muss man einen ziemlichen „Boscha“ (aka „einen an der Waffel“) haben, um bei dem Irrsinn auch noch ein drittes Mal freiwillig mitzumachen (manch einer muss es ja gezwungenermaßen tun, weil er eine Wette verloren hatte, wie ich heute dazugelernt habe 😉 ).
Und hätte man mir vor rund 12 Jahren gesagt, dass ich mit fast 28 freiwillig Sport mache, hätte ich wohl gegrinst und gemeint: „ja kann sein.“
Hätte man dann noch gesagt „Sport wird deine Leidenschaft“, hätte ich vermutlich gemeint: „bist du sicher dass du mich meinst?“
Und hätte man dann noch eines draufgesetzt und gesagt: „ja sicher! Du wirst eines Tages freiwillig zum dritten Mal infolge an einem Extremsport-Wettkampf teilnehmen, wo du von oben bis unten voll mit Gatsch sein wirst“, dann hätte ich ziemlich sicher einen Lachanfall bekommen und die Person für komplett unzurechnungsfähig erklärt.
(AdR: Ich war nämlich bis zum Jahr 2008 ein eher unsportlicher Mensch, dessen Aktivitäten sich grob gesagt auf eine Woche Snowboarden pro Saison, gelegentliches Tennis, alle heiligen Zeiten mal eine Radtour (wenn man mich überreden konnte) und den mehr oder weniger vorhandenen Turnunterricht in der Schule beschränkten. Laufen war hochgradigst verhasst und schwitzen sowieso. Fast unvorstellbar also, dass ausgerechnet ich zur Extremsportlerin wurde (meine Oma hält mich in der Hinsicht übrigens für komplett abnormal und leicht gestört. „Soetwas machen nur Männer, was musst du da mittun?“ kann ich mir jedes Jahr aufs Neue anhören, wenn sie wieder Wind davon bekommt und hält folglich meine Wildsau-Rennen hochgradigst vor ihren Freundinnen unter Verschluss, weils ja dezent peinlich ist wie ich mich aufführe. Also solltet ihr mich nun auch für gestört erklären, ich nehms euch nicht übel und bin das gewöhnt. :-D).)

Doch ich kann hiermit mit stolz geschwellter Brust verkünden, dass ich mich heute Nachmittag, wieder gemeinsam mit meinem lieben Kumpel G., mit einer neuen persönlichen Bestzeit von weniger als 2,5h zur 3fachen Wildsau gekrönt habe. 🙂

Und ich muss sagen, der Wildsau Dirt Run war diesmal wirklich eine ganz besondere Herausforderung. Zum einen weil wir die neue Strecke noch nicht kannten und folglich keine Ahnung hatten, was uns dieses Jahr erwartet. Wir dachten uns nämlich, wenn schon neue Strecken angeboten werden, dann schreit das ja regelrecht danach diese zu probieren. Verrückt und komplett durchgeknallt, ich sags ja! 😉

Umso spannender also, wenn der grundsätzliche Ablauf derselbe wie die Jahre zuvor geblieben ist. Sprich Hindernisparcours – Laufstrecke – Hindernisparcours – Laufstrecke – Hindernisparcours. Und du vor allem auf der ersten Laufrunde wirklich mit deinen Kräften haushalten musst. Vor allem, weil dir ziemlich schnell klar wird, dass du, wenns den ersten Teil der Strecke nur gerade bzw. hardcore bergab geht, du am Ende auch alles wieder hinauf musst. Und das kann ein „Arschberg“ sein, oder sogar noch steiler. 😉
In unserem Fall wars nur ein halber „Arschberg“, dafür mussten wir teilweise auf allen Vieren durchs Gestrüpp durch um Kräfte zu sparen, und hatten deutlich anspruchsvollere Hindernisse als die Jahre zuvor (sobald das Video vom Bewerb verfügbar ist werde ich es an dieser Stelle einfügen damit ihr wisst wovon ich spreche 😉 ).

Ein Dirt Run, den ich Dank des intensiven und vor allem vielseitigen, sowie regelmäßigen Trainings über das ganze Jahr verteilt fast mit links gemeistert habe. Einzig und allein immer wiederkehrendes Seitenstechen zwang mich auf den Laufetappen zum gelegentlichen „schnellgehen“ und machte sich in der Gesamtzeit bemerkbar (wenn man nämlich bereits beim 2. Hindernis ins eiskalte Gatschwasser hineinrutscht, bleibt einem erstmal so richtig schön die Luft weg. Und davon hab ich mich leider 3x nicht so ganz erholt 😉 ).

Doch um den Wildsau-Initiator Georg Melzer zu zitieren: „vergesst die Zeit. Das Einzige was zählt ist tuats euch ned weh und bitte, tuats euch ned weh. Nehmts Rücksicht und helfts euch bei den Hindernissen. Und nochmal, tuats euch ned weh.“

Und ja, abgesehen von zahlreichen blauen Flecken, Schrammen und kleinen Hämatomen bin ich heil geblieben. Und die beiden Knie die mir seit der ersten Wanderung immer wieder zu schaffen machten? Die haben sogar die steilen bergab Etappen problemlos überstanden! Und einen Muskelkater? Den habe ich auch 24h danach immer noch nicht wirklich. Die blauen Flecke spüre ich da deutlich mehr. 😉

Fazit: das gesamte Training hat sich mehr als nur gelohnt und ich habe es geschafft, durch gezieltes Krafttraining kombiniert mit entsprechendem Ausdauertraining sämtliche Knieprobleme zu beseitigen. Und als Belohnung meine dritte Medaille infolge eingeheimst. 🙂

PS: das Überraschungshighlight hätte ich in meiner Euphorie jetzt beinahe vergessen! Als wir unsere Säcke mit den ganzen Sachen zur Garderobe brachten, bin ich meiner lieben Freundin M. aus Graz über den Weg gelaufen! Sie dachte, dass ich wie jedes Jahr bei dem Niederösterreichischen Bewerb mitmache, und ich wusste nicht, dass ihr Freund dieses Jahr ebenfalls mitläuft. Das ist wohl irgendwie in unserer Kommunikation untergegangen. Wir haben uns beide sowas von einen „Haxn ausgefreut“ uns ausgerechnet hier wiederzusehen und ich muss sagen, sie zu treffen, wo ich sie eh so selten sehe weil uns Zeit und Distanz so oft in die Quere kommen, und dann zu hören wie sie mich bei den Hindernissen anfeuert, das war das absolute Nonplusultra und definitiv das Schönste bei dem gesamten Lauf und die schönste Überraschung vom Universum seit langem! Danke M.!!! :-*

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5 Gedanken zu „Wildsau Dirt Run 2014 oder „go Gatsch or go home!“

  1. bioferkel? wie geil 🙂 also ehrlich, irgendwie reizt mich das ja richtig, aber ich krieg meine kondition wohl nicht mehr so auf die reihe, dass ich sowas schaff. schade, wenn ich erstmal dabei bin kann ich mich für solche aktionen sonst auch begeistern 😉 und omas verstehen das meist nicht, wenn man sich nicht mädchengerecht verhält 😉

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