„Immer weiter fort“ oder „wasted on the way“

Wasser. Eines der Hauptthemen die wir vorhin in der Vorlesung behandelt haben. Ja, ich habe es nach über einem Jahr endlich mal wieder in eine Vorlesung geschafft. Endlich eine, die nicht mit meinen Arbeitszeiten kollidiert. Weil sie die einzige meiner Vorlesungen ist, die am Abend stattfindet. Und die mich heute als krönenden Abschluss eines höchst erfolgreichen Tages maximalst befriedigt hat. Weil guter Professor und interessantes Thema. 🙂

Ein vertrautes und komisches Gefühl war das heute. Ich als alter Hase zwischen lauter „Kids“. Weil fast alle 7 Jahre jünger als ich. 😀

Am Heimweg spuckte mir der iPod dann via Zufallswiedergabe von STS das Lied „immer weiter fort“ aus. Ein Lied, das grad unglaublich gut zu diesem Tag passt. Musste ich doch gleich nochmal an die Vorlesung denken. Wo der Bursche vor mir zu meiner Sitznachbarin meinte, dass er jetzt dann gehen müsse, weil Zitat: „i muss no a Bier einkaufn. I bin heit Obnd no auf ana Geburtstagsparty einglodn.“
Da musste ich innerlich grinsen und an meinen „kleinen“ Bruder denken, dessen Leben grad ebenfalls aus Sport, Studium, Freunden, Partys, bissl arbeiten und Beziehung besteht (Anmerkung: korrekte Reihenfolge unbekannt und er ist in jeder Hinsicht erfolgreich – dezenter Neid meinerseits, ich gebs zu). Und da hab mich dann schon gefragt ob ich nicht vielleicht doch etwas „verpasst“ hab. Das „klassische“ Studentenleben. Weil ich nahezu die gesamte Studienzeit mindestens 20h pro Woche, die letzten Jahre meistens eigentlich 32h aufwärts gearbeitet habe (und nein es ist kein berufsbegleitendes Studium und ja, ich hab mir das viele Arbeiten selbst ausgesucht ;-)).
Aber ehrlich gesagt, auch wenn da nur wenig Zeit für Partys, Freunde und Sport bleibt. Wenig Zeit für mich – ich glaube nicht dass ich etwas verpasst hab. 😀
Auch wenn mein Leben immer schon einen Tick mehr Disziplin verlangt hat. Vor allem, wenn man im Studium etwas weiterbringen möchte. Was zugegeben, die letzten eineinhalb Jahre auch nicht ganz so funktioniert hat, wie ich das immer wollte. Aber das war mir klar als ich mich damals für meinen aktuellen Job beworben habe. Dass dieser fern eines Studentenjobs ist und dass ich da sicher des Öfteren „hirntod“ heimkommen werde und nur noch meine Ruhe haben will (übrigens auch der Grund, warum ich so lange nichts geschrieben habe). Aber vieles im Leben hat Vor- und Nachteile. 😉

Ja, dieses Lied hat mir heute meine eigene Situation auf humorvolle Art und Weise vor Augen geführt. Dass ich, wie es mein lieber Arbeitskollege C. heute so schön ausgedrückt hat, „dran bleiben“ muss. Mich vom Arbeits-Wasser nicht fort treiben lassen darf, sondern endlich mein Studium abschließen muss. Reinbeißen und kämpfen muss. Wie ich es im Sport ja eh problemlos kann und tu. Aber körperliche Anstrengung ist halt doch nicht so ganz vergleichbar mit einer geistigen Doppelbelastung. 😉
Trotzdem. Ich werde es hinbekommen. Ich werde es schaffen, neben meinem fast Fulltime-Job mein Studium abzuschließen. Ich werde kämpfen. Den müden, mich geistig blockierenden Schweinehund überwinden, der mich so oft von meinen Plänen abhält. Dieses Lied wird mich wohl ab jetzt ebenfalls brav daran erinnern. Mir helfen, es durchzustehen. Damit mich nicht eines Tages das Gefühl überkommt, etwas nachholen zu müssen, weil ich es dann doch irgendwann geschmissen habe. Wie viele es tun, wenn die Arbeit das Leben dominiert und nicht mehr das Studium. Nope. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Nicht wo ich schon so weit bin und mir nur noch Prüfungen fehlen. Ich werde kämpfen. Um eines Tages, mit einem stolzen und breiten Siegeslächeln zurückzublicken. 🙂

Das Original stammt übrigens von Crosby, Stills & Nash und heißt „wasted on the way“.

Manchmal sitz i da und i seh mei‘ Leben vor mir
Wie’s seine Kreise zieht um das was früher war
I bin älter word’n, hab viel von dem, was i woll’n hab
Aber jeden Tag wird mir wieder auf’s neue klar

I hab soviel Zeit zum Nachhol’n, Tage, Wochen, Jahr
Zeit, die i blöd versandelt hab
Soviel Wasser rinnt unter der Bruck’n durch
Und das Wasser treibt mich immer weiter fort

Wie i jünger war hab’n s‘ mir g’sagt, „“Bub, schau dazu““
Das Leb’n is kurz und i hab g’lacht und wollt das all’s net hör’n
Langsam wird mir klar, für das, was i alles tun möcht
Ja, da müsste i so an die tausend Jahr alt werd’n

I hab soviel Zeit…

Und i hab soviel noch zum Tun, zum Seh’n und zum Spür’n
Soviel noch zum Ausprobier’n
Soviel Wasser…
(Quelle: http://www.sts-page.com/texte/text.aspx?35)

 

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3 Gedanken zu „„Immer weiter fort“ oder „wasted on the way“

  1. 100 % agreed! obwohl ich nicht immer sagen kann, dass ich das gefühl hab, nix verpasst zu haben. ich hätt schon manchmal gern alles einfach ein bissl lockerer genommen. aber das konnte ich halt nie, aus verschiedenen gründen. STS lohnt sich echt immer wieder. da gibts einiges an versteckten schätzen! einer meiner all time favourites: kalt und kälter.

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